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„Trink, es ist Urin!“

Nazeeha Saeed, die Bahrain-Korrespondentin von Radio France 24 und Radio Monte Carlo, wurde Ende Mai auf eine Polizeistation in Rifa’a bestellt. Dort wurde sie beschuldigt, in Verbindung mit zwei Fernsehstationen zu stehen, die von offiziellen Stellen in Bahrain nicht goutiert werden. Saeed berichtete über die regierungskritischen Proteste, die seit Februar in Bahrain stattfinden. Sie wurde in einen Raum geführt und von einer Polizistin befragt, die immer wütender wurde. Die Polizistin schlug Saeed ins Gesicht und zerrte sie an den Haaren zu Boden. Dann traten und schlugen vier Polizistinnen auf sie ein. Eine der Frauen nahm Saeeds Schuh, steckte ihn ihr in den Mund und sagte, Saeed sei nicht mehr wert als dieser Schuh. Sie wurde in einen anderen Raum gezerrt und gezwungen, sich mit verbundenen Augen auf einen Stuhl zu knien. Dann schlug man sie mit einem Plastikschlauch auf die Fußsohlen. Sie wurde dabei permanent angeschrieen und beschuldigt, das Image von Bahrain zu beschädigen. Anschließend zwangen sie Saeed aufzustehen, Töne wie ein Esel zu machen und den Gang eines Tieres zu imitieren. Sie wurde wieder geschlagen und eine Polizistin hielt ihr eine Flasche mit gelber Flüssigkeit an den Mund und schrie „Trink, es ist Urin“. Saeed konnte die Flasche abwehren. Was die Flüssigkeit war, wusste sie nicht, sie spritzte ihr aber ins Gesicht und brannte.

Die Journalistin fand sich schließlich in einem Raum mit anderen Frauen wieder. Alle erhielten Essen und durften auf die Toilette gehen. Dann erschien der Chef der Polizeistation und zeigte sich überrascht, Saeed dort vorzufinden.

Zuerst wurde ihr, wie den anderen Frauen, 45 Tage Haft angekündigt, Saeed wurde dann aber freigelassen. Nazeeha Saeed erhielt in Frankreich medizinische Versorgung.

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Sylvia Valentin, Reporter ohne Grenzen, Schweiz

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Erschienen in Ausgabe 08+09/2011 in der Rubrik „Rubriken“ auf Seite 14 bis 15. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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