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Special Agrar

Was leistet der Agrarjournalismus?

Von Josef Siffert

Die Ergebnisse der Umfrage lassen noch keine generelle Entwarnung zu, doch nähren sie die Zuversicht, dass jene Kolleginnen und Kollegen, die ihre schreiberische Passion dem nicht allzu dankbaren und ziemlich diffizilen Thema Agrarjournalismus gewidmet haben, mit der nötigen Portion Verantwortung an ihre tägliche mühevolle und selten bedankte Arbeit gehen.

Der österreichische Agrarjournalismus ist nämlich mit der heimischen Land- und Forstwirtschaft ebenso verbunden wie mit der Agrarpolitik, mit der Wirtschaft, mit dem ländlichen Raum und mit jenen Menschen, denen das Leben auf dem Land ein besonderes Anliegen ist. Die agrarische Medienwelt spiegelt in ihrer Vielfalt, die von reinen Fachzeitschriften für die bäuerliche Bevölkerung über tagesaktuelle Medien bis hin zum Fernsehen und zum Internet reicht, die Welt der Bauern und ihrer Partner in Wirtschaft und Gesellschaft wider.

Einerseits ermöglichen Agrarmedien der Landwirtschaft den Austausch von Meinungen und dienen der Wissenserweiterung und fachlichen Bildung, sie transportieren Innovationen und neueste Entwicklungen in den Agrarsektor und sie klären über politische Zusammenhänge und Entscheidungen auf.

Andererseits jedoch transportieren die Damen und Herren Agrarjournalisten die Anliegen der bäuerlichen Bevölkerung dorthin, wo sie gehört werden sollen, nämlich in die Gesellschaft, zum Konsumenten. Diese Brücke in die nichtbäuerliche Bevölkerung, von der sich aber niemand uneingeschränktes Verständnis und umfassendes Wissen über die Landwirtschaft erwarten darf, ist heute notwendiger denn je.

Sich immer schneller verändernde Rahmenbedingungen, wie die Liberalisierung der Märkte, wie die Wirtschafts-, Finanz- und Schuldenkrise der letzten Jahre oder wie die kommende EU-Agrarpolitik nach 2013, stellen gerade für die Landwirtschaft und die Agrarmedien eine immense Herausforderung dar, der sich jedoch, wie die Untersuchung des Agrarjournalismus-Verbandes zeigt, die Kolleginnen und Kollegen der agrarischen Medienlandschaft offensiv stellen wollen.

Agrarjournalismus muss komplexe Zusammenhänge in verständlicher Sprache transportieren, um das Verständnis der nichtlandwirtschaftlichen Bevölkerung, der Konsumenten, zu erhalten.

Dabei ist jedoch niemand vor billigem Populismus gefeit; leider Gottes: Der Journalist und/oder der Politiker bedienen dann niedrige Instinkte, wie Neid und Missgunst, und der – zumindest kurzfristige – Applaus ist ihnen sicher. Die agrarische (Medien-)Welt bildet da keine Ausnahme mehr.

Dabei muss Populismus nicht sein, denn er holt jeden Populisten früher oder später ein; spätestens dann, wenn es gilt, das Blaue, das man versprochen hat, vom Himmel zu holen, in der erreichten oder ausgeübten Funktion auch tatsächlich auf den Tisch zu legen. Da ist die Wahrheit als Anlageform langlebiger und deutlich sicherer.

Die österreichische Dichterin und Schriftstellerin Ingeborg Bachmann hat in ihrer Dankesrede anlässlich der Verleihung des Hörspielpreises der Kriegsblinden im Jahr 1959 einen denkwürdigen Satz geprägt, den sich jede verantwortungsvolle Agrarjournalistin, den sich jeder verantwortungsvolle Agrarjournalist, aber auch mancher Politiker täglich vor Augen führen sollte, wenn sie sagt:

„Die Wahrheit nämlich ist dem Menschen zumutbar.“

Erschienen in Ausgabe 08+09/2011 in der Rubrik „Special Agrar“ auf Seite 109 bis 109 Autor/en: Josef Siffert. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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