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Titel

„Wer zu viel verlangt, wirkt unprofessionell“

Von Theresa Steininger

Wieso sind so viele Journalisten mit ihrem Gehalt unzufrieden – liegt das an der Branche oder daran, dass nur wenige Traumgehälter kolportiert werden?

Das hat zwei Gründe. Erstens ist der Journalist per se ein hinterfragender Geist. Das bringt mit sich, dass er auch dieses Thema kritisch sieht und eher negativ betrachtet. Zweitens ist die Medienbranche eine, in der wenigen Stars sehr viel gezahlt wird. Andererseits herrscht aber gerade in Österreich eine hohe Mediendichte, wodurch keine hohen Werbegelder erzielt werden können. Deshalb sind hohe Gehälter gar nicht realistisch. Man muss wissen, dass man sich für eine Branche entscheidet, in der es wenige Topverdiener gibt, die unlimited bekommen, der Großteil der Journalisten aber nicht so viel verdient. Mein klarer Rat ist jedoch: Akzeptiere lieber ein geringeres Gehalt, wenn du zufrieden bist in dem Job, denn das Ärgste ist Unzufriedenheit im Berufsalltag.

Mit welchen Forderungen raten Sie, in Gehaltsverhandlungen zu gehen?

Das hängt von der Grundsituation ab: Wurde man gefragt oder sucht man einen Job? Auch ist es eine Frage des bisherigen Ergebnisnachweises – jeder, der Sie anstellt, wird fragen, was Sie bisher geleistet haben, denn man heuert Sie ja an, um mit Ihnen Geld zu verdienen: weil Sie eine Persönlichkeit sind, die man gerne sieht und liest, weil man sich von Ihrem Talent höhere Verkaufs- oder Seherzahlen erwarten kann. Man darf auch nicht vergessen, dass es unterschiedlichste Bestandteile geben kann – wie Boni, Dienstwagen, Ausbildungskosten und vieles mehr.

Wie hoch aber dürfen die Forderungen sein, wonach kann man sich hier richten?

Es gibt eine Usance des Marktes, abseits derer vorzugehen unrealistisch ist. Alle Bewerber kennen diese.

Wenn man sie aber nicht kennt, wonach richtet man sich? Nach dem Kollektivvertrag?

Nein, das marktadäquate Gehalt ist natürlich mehr als der Kollektivvertrag. Ein normaler Redakteur bekommt wohl 3.000 bis 4.000 Euro, Ressortchefs das Doppelte. Wenn der Ergebnisnachweis es rechtfertigt, kann die Bezahlung sogar weit darüber liegen, denn Journalisten sind kreative Menschen und der Wert eines solchen liegt in seiner Alleinstellung. Wenn das Medium mit dem Kreativen unverhältnismäßig viel verdienen kann, gibt es manchmal verrückte Ausreißer. Generell gibt es aber Einstiegsgehälter, die kolportiert werden, auf deren Basis kann man sich den eigenen Marktwert ausrechnen.

Wie kann man Verhandlungen gekonnt führen?

Es hängt immens davon ab, wie sehr das Gegenüber einen braucht. Für eine Gehaltserhöhung braucht es gute Argumente. Man kann nicht halbjährlich gehen und sagen „Ich will mehr“, damit würde man ja zeigen, dass man nur am Geld hängt und nicht am Inhalt. Man sollte klar vorbereitet sein darzulegen, was man im letzten Jahr geleistet hat, und aufzeigen, was von einem erwartet wird und was man dafür mehr bekommen möchte. Wer eine zusätzliche Aufgabe bekommt, könnte argumentieren, dass er dies gerne tue, für den Mehraufwand aber entschädigt werden möchte. Dies alles sollte sehr überlegt und ruhig ablaufen, nicht emotional.

Welche Fehler sind in solchen Gesprächen häufig?

Die Leute schauen zu sehr nur auf ihre eigene Perspektive, diese ist natürlich wichtig, aber man sollte nicht alles nur aus dieser sehen. Man darf nicht vergessen, dass die Leute, von denen man mehr Geld fordert, auch ihre Budgetlimits haben. Oft ist es leichter, mit Gehaltsbestandteilen wie Ausbildungskosten oder dergleichen zu verhandeln. Außerdem ist es wichtig, nicht aus einer Laune heraus zu verhandeln. Man sollte nicht unflätig werden, nicht signalisieren, dass man weg ist, wenn das Geld nicht mehr wird – das ist nicht professionell. Besser ist ein strukturiertes Mitarbeitergespräch, in dem man einen Dreijahresplan präsentiert – und in dem es um ein gemeinsames Ziel geht. Ein grober Fehler ist auch, wenn jemand völlig überhöht agiert – oft wird mit der Idee vorgegangen, man verlange 100, damit man dann 50 kriegt. Das wird aber als unprofessionell und als Selbstüberschätzung gesehen.

Erschienen in Ausgabe 08+09/2011 in der Rubrik „Titel“ auf Seite 36 bis 39 Autor/en: Theresa Steininger. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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