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Praxis

„Berliner Morgenpost“ – Kompakt

Von Norbert Küpper

Die „Berliner Morgenpost“ hat eine Auflage von 123.966 Exemplaren (IVW 2/2011). Seit Kurzem erscheint die Zeitung in zwei Formaten: wie bisher im Nordischen Format und Montag bis Freitag zusätzlich im halben Nordischen Format. In Berlin folgt man damit „Welt“ und „Welt am Sonntag“, die ebenfalls in zwei Formaten erscheinen. Tatsächlich fragen junge Leute, die noch keine große Zeitungserfahrung haben: „Warum haben Zeitungen so ein großes Format?“ Langjährige Abonnenten dagegen wollen keine einschneidenden Veränderungen und lehnen kleinformatige Zeitungen eher ab. Der Springer-Verlag setzt daher auf die Sowohl-als-auch-Lösung.

Titelseite

01 Zeitungskopf: Gegenüber dem Vollformat wird hier eine leichtere Schrift verwendet und die Quadriga versinkt allmählich.

02 Anrisse oben: Die zarte Überschrift und die Unterzeilen sind am Kiosk nicht gut sichtbar. Der Redaktionsschluss 23.05 Uhr hätte etwas plakativer präsentiert werden können – oder gar nicht, weil ja die Online-Kollegen morgens früh bereits wieder frische Ware auf der Website platzieren.

03 Aufmacher: Die Dunkelheit und das Licht der Taschenlampe schaffen eine dramatische Atmosphäre für das Thema: brennende Autos in Berlin. Folgerung: So richtig Boulevard will die „Berliner Morgenpost“ nicht machen, denn dann hätte man gelbe und rote Flammen züngeln lassen. Aber das Boulevard-Segment ist ja durch andere Blätter abgedeckt.

04 Text im Bild: Die Überschrift hätte fetter sein können, wenn sie weiß auf schwarz im Bild steht. Grundschrift auf schwarzem Grund ist nicht gut. Wird von den Lesern meist gemieden, weil unbequem.

05 Grundschrift: Sie wirkt sehr streng, seriös, ein bisschen retro, aber insgesamt groß genug.

06 Anrisse rechts: Die kleinen Überschriften und eine gewisse Textmenge signalisieren: Wir machen hier keinen Boulevard. Wir sind seriös.

07 Abschlussleiste unten: Neben dem Barcode ist links außen das Wetter, daneben die Anschrift und Hinweise auf Twitter und Facebook. Der tägliche Sehtest (in Kooperation mit den Optikern?): Ja, ich kann das Augenpulver noch lesen, ich muss nicht zum Optiker. Nicht heute.

Innenseite

01 Doppelseite: Auf Seite 2 und 3 wird die Cover-story fortgesetzt. Gut, dass die eher dunkle Bildsprache der Titelseite fortgesetzt wird. Was wird denn da für ein Film gedreht? Wir werden es nie erfahren. Der Bildtext schweigt dazu.

02 Themengliederung: Das Thema wird in drei Stücke gegliedert: Bericht, Pro & Contra, Hintergrund. Insgesamt entsteht jedoch eine sehr textlastige Seite, weil Weißraum und Auflockerung fehlen.

03 Pro & Contra: Diese journalistische Stilform könnte man sich in den meisten Zeitungen häufiger vorstellen. Man sollte dann die beiden Kontrahenten abbilden und etwas zur jeweiligen Person sagen.

04 Ergänzung rechts: Hier geht es um eine Stellungnahme der Polizeivizepräsidentin Margarete Koppers. Statt eines Textes mit Zitaten hätte ein Kurzinterview lockerer gewirkt.

05 Porträtbild: Das Bild ist sehr, sehr klein und völlig unspannend geschnitten.

06 Gliederung im Text: Der untere Teil der Seite wirkt schon sehr textlastig. Das Pro & Contra im Flattersatz und mit Weißraum links und rechts wäre auflockernd gewesen. Zwischenzeilen sind vorhanden, aber sie sind zu klein und haben zu wenig Weißraum, um gliedernd wirken zu können. Insgesamt: deutlich visueller werden und beim Umformatieren vom Nordischen Format auf Tabloid die Texte stärker zusammenstreichen.

07 Autorenzeile: Am Anfang stehen vier Namen: „Von J. Fahrun, F. Hartmann, H. Nibbrig und S. Pletl“. Die Vornamen hätten eine Zeile mehr verursacht, aber der Leser hätte gewusst, ob die Journalisten alt oder jung, Mann oder Frau sind. Das schadet ja nicht.

Erschienen in Ausgabe 10+11/2011 in der Rubrik „Praxis“ auf Seite 122 bis 122 Autor/en: Norbert Küpper. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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