ARCHIV » 2011 » Ausgabe 10+11/2011 »

Rubriken

China und Europa – zwei verschiedene Medienwelten

Von Hermine Schreiberhuber

Ein Mediensymposium des Bundeskanzleramtes zum 40-jährigen Bestehen diplomatischer Beziehungen zwischen Österreich und China in Wien hat jüngst verdeutlicht: Europa und die Volksrepublik leben in unterschiedlichen Medienwelten. In Europa trägt der Journalist Eigenverantwortung; im Reich der Mitte hat sich die journalistische Tätigkeit den Staatsinteressen unterzuordnen.

Gerfried Sperl sprach namens des Internationalen Presse Instituts (IPI) von einer großen Differenz zwischen der westlichen Demokratie und dem chinesischen System, „das einem anderen Gesellschafts- und Rechtssystem gehorcht“. Gerade ein so großes Land müsse aber Grundfreiheiten gewähren, einschließlich Presse- und künstlerischer Freiheit. Chinas Politik der Öffnung beinhalte die Verpflichtung, die Menschenrechte und diese Freiheiten zu respektieren.

Chinesische Referenten stießen sich unisono an der Fokussierung auf Negativ-Berichterstattung über ihr Land in Europa, mit Themen wie Todesstrafe, Billigarbeiter, Internet-Kontrolle, Tibet. China werde als Polizeistaat dargestellt, meinte Fang Xiangsheng, Wiener Korrespondent der Zeitung „Guangming“. Laut einer von Wang Baoku zitierten Studie haben 61 Prozent der Europäer ein negatives China-Bild. Der Wien-Vertreter des Blattes „Jingji“ schlug verstärkte Medienkooperationen vor.

Aufseiten Österreichs wurde die Medienreglementierung in China beklagt. Helmut Opletal, Sinologe und früherer ORF-Korrespondent in Peking, brachte es auf den Punkt. Die europäischen Medien sind keine Instrumente ihrer Regierungen, sie kritisieren diese auch. In China dagegen sei das „Was und Wie“ der Berichterstattung festgelegt. Täglich ergingen Polit-Anweisungen an die Redaktionen, ein riesiger Zensurapparat sei aktiv. Sperl merkte an, Berichte über Naturkatastrophen gelten als „no-go“.

Laut Kurt Seinitz von der „Krone“ ist Medienkontrolle in China zu einer „Obsession“ geworden. Cornelia Vospernik, bis zum Vorjahr ORF-Korrespondentin in Peking, erklärte, das Totschweigen von Nobelpreisträger Liu Xiaobo entpuppte sich als kontraproduktiv. Die Kontrolle des Fernsehens werde im Kabel-TV durch Ausfälle bei China-kritischen Berichten sichtbar. Opletal zitierte eine Umfrage, wonach 94 Prozent der Auslandsjournalisten über verschlechterte Arbeitsbedingungen klagen.

Erschienen in Ausgabe 10+11/2011 in der Rubrik „Rubriken“ auf Seite 10 bis 11 Autor/en: Hermine Schreiberhuber. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

;