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Das Ohr des Frageonkels

2 Günther Jauch, ein bekannter Frageonkel des deutschen Fernsehens, wird mit seinen skurrilen Attacken gegen Zeitungen allmählich zum Stammgast in dieser Kolumne. Sein letzter Streich: Er klagte die Klatsch-Postille „Viel Spaß“ aus dem deutschen Burda-Verlag, weil diese auf einem Foto sein Ohr entstellt habe. Das Blatt hatte vor ein paar Wochen auf der Titelseite ein Bild des Ehepaares Jauch gebracht. „Ehe-Krise?“ war die Schlagzeile, obwohl man das Paar eng nebeneinander Schulter an Schulter stehend sah. Den Quizmaster störte jedoch dieses Bild – und vor allem die Tatsache, dass durch die Bearbeitung des Fotos sein linkes Ohr zum Teil durch die Haare seiner Frau abgedeckt und vom rechten Ohr sogar ein Teil „abgeschnitten“ wurde.

Jauch erwirkte mit der Behauptung, das Foto sei eine Manipulation, vorerst eine „Einstweilige Verfügung“, wonach das Bild nicht mehr erscheinen dürfe. Das Landesgericht Hamburg hob jetzt jedoch aufgrund des Widerspruchs des Burda-Verlags die Verfügung auf. Begründung: Durch die Bearbeitung des bei der Verleihung der „Goldenen Kamera“ aufgenommenen Originalbildes ist lediglich das Ehepaar näher aneinandergerückt worden und es wurden dadurch keine „berechtigten Interessen“ Jauchs verletzt. Das Urteil geht dann im Detail auf die Beanstandung des Bildes ein: „Selbst wenn das rechte Ohr nach Angaben Jauchs etwa auf Augenhöhe im mittleren Bereich am Knorpel abgeschnitten wurde, wäre diese mit bloßem Auge kaum erkennbare Veränderung unbedeutend für die Aussage des Bildes.“ Ob Jauch diese offenkundige Missachtung seines unversehrten rechten Ohrläppchens aushält, wird sich herausstellen.

Dieser Ohrläppchen-Prozess reiht sich fugenlos in die Gruppe der Klagegründe des Quizmasters ein. Wie hier berichtet, war er gegen ein Magazin zu Felde gezogen, weil ihm dieses zugemutet hatte, aufgrund von Fotos „zu Tränen gerührt“ Geld für Kinder gespendet zu haben. Das sei falsch, verlangte Jauch eine Richtigstellung, denn er überlege genau, für welche Zwecke er spende, und gebe Geld nicht „aus Rührung“ aus.

Erschienen in Ausgabe 10+11/2011 in der Rubrik „Rubriken“ auf Seite 17 bis 17. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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