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Praxis

Ich bin ich

Andrea Bergmann startete nach dem „erfolgreich abgebrochenen Studium der Germanistik und Medienkommunikation“ 1985 journalistisch als freie Mitarbeiterin bei der „Kleinen Zeitung“ in Klagenfurt. Von 1989 bis 1993 war die gebürtige Klagenfurterin Redakteurin der „Kärntner Kirchenzeitung“. Seit 1993 ist die heute 46-Jährige Politikredakteurin der „Kleinen Zeitung“ in Kärnten.

Wie viel Macht hat ein Journalist?

Viel, wenn es darum geht, Mächtigen auf die Finger zu schauen, Unbequemes und Hintergründe aufzuzeigen.Macht erinnert aber auch an Machtmissbrauch – leider gibt es auch solche Kollegen.

Ihr Verhältnis zur Macht?

Unerschrocken, wenn es um Mächtige geht. Sorgfalt, wenn es um eigene „Macht“ geht.

Hat Ihre Arbeit schon einmal Einfluss auf wichtige Entscheidungen gehabt?

Wenn die jahrelange Berichterstattung auf dem Weg zu einer Müllverbrennungsanlage oder der Ortstafellösung für Kärnten dazuzählen …

Ihre Vorbilder im Journalismus?

Fritz Czoklich, weil er trotz Größe erfrischend uneitel und bodennah war und stets den Menschen sah.

Was zeichnet einen guten Journalisten aus?

Stete Neugierde, Unerschrockenheit vor Mächtigen, Verantwortungsbewusstsein; am Drücker bleiben, auch wenn’s unbequem wird.

Wie wird sich der Journalismus künftig verändern?

Ich habe Sorge, dass sich Journalismus und PR immer mehr vermengen.

Warum sind Sie Journalistin geworden?

Weil ich ein neugieriger Mensch bin, ein starkes Gerechtigkeitsempfinden habe und kein anderer Beruf so viel Vielfalt hat.

Wo und wie lernt man Journalismus am besten?

Mit dem Sprung ins kalte Wasser, begleitet und korrigiert von erfahrenen Kollegen (Wer hat noch Zeit dafür???).Sicherheit gibt ein journalistischer Grundkurs.

Was sind Ihre persönlichen Stärken und Schwächen?

Stärken: Ich sehe die Schattierungen zwischen Schwarz und Weiß, habe stets auch die menschliche Dimension im Hinterkopf.

Schwächen: Harmoniebedürfnis.

Wie wichtig ist Klatsch?

Wer nach dem Hinhören recherchiert, kann Top-Storys kriegen.

Journalisten gelten als eitle Zeitgenossen, und Sie?

Selbsteinschätzung: nein.

„Repräsentative“ Umfrage unter drei Kollegen: nein.

Was irritiert Sie an Ihren Arbeitskollegen?

Wie viel Zeit sie fürs Facebooken haben …

Sie irritieren Ihre Arbeitskollegen durch …?

Schlagfertigkeit, Humor, Besonnenheit.

Wie kann man Ihre Aufmerksamkeit erregen?

Mit intelligentem Humor und Menschlichkeit.

Was wären Sie gerne – Spitzensportler, Literaturnobelpreisträger oder Rocksänger?

Ich bin ich.

Wohin fahren Sie als Nächstes auf Urlaub?

Wer setzt sich durch? Die neue Liebe Cres oder die alte Liebe Mallorca fern der touristischen Trampelpfade.

Ein Tag Bundeskanzlerin sein, was tun Sie?

Das Schul- und Bildungssystem entstauben.

Welche Hoffnungen haben Sie bereits aufgegeben?

Geregelte Arbeitszeiten.

Wann waren Sie am glücklichsten?

Wenn alle meine Lieben um einen großen Tisch versammelt sind und die Zeit verrinnen darf.

Haben Sie sich schon einmal im Büro verliebt?

Nicht im Büro, aber vor zehn Jahren bei einer Pressereise in Griechenland. Der Tiroler ist mittlerweile „Kärntner“.

Was soll Ihnen später einmal nachgesagt werden?

Da will ich keinem vorgreifen.

Erschienen in Ausgabe 10+11/2011 in der Rubrik „Praxis“ auf Seite 130 bis 130. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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