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Neudeutsch in der Politik

4 Wenn man jemanden piesackt, dann macht man ihn fertig, schikaniert ihn, stellt ihn bloß oder verletzt ihn durch Spott und Häme. Auf Neudeutsch sagt man zu derartigen Verhaltensweisen Mobbing. Man wird gemobbt, oder man mobbt. Ist ja klar, nur wer sich in Englisch ausdrücken kann, der ist ein gebildeter Österreicher. Deutsch ist so etwas Ähnliches wie ein Eingeborenen-Dialekt, simpel und nicht für wichtige Dinge geeignet.

Selbstverständlich, dass auch im Parlament englische Wörter verwendet werden müssen, um gewisse Probleme zu behandeln. Selbst von jenen Politikern, die an und für sich eher dem Deutschtum zugeneigt sind. Frau Ursula Haubner, Schwester des seligen Jörg Haider und jetzt BZÖ-Abgeordnete, demonstriert das deutlich. Sie verwendet in einer parlamentarischen Anfrage nicht nur den Begriff Mobbing, sondern kauderwelscht auch von „Bossing“ und „Staffing“. Man muss als Parlaments-Berichterstatter schon detektivische Fähigkeiten haben, um herauszufinden, dass es Bossing heißt, wenn der Boss mobbt, und Staffing, wenn der Boss von seinem Staff, also dem Personal, gemobbt wird. Wie sang doch seinerzeit Hermann Leopoldi: „Ja, da wär’s halt gut, wenn man Englisch könnt …“

Doch worum ging es eigentlich? Haubner wollte von der Innenministerin ganz einfach wissen, ob bei der Polizei schikaniert wird. Die Antwort: Im Vorjahr wurden drei Fälle gemeldet, zwei davon waren haltlos, in einem Fall wurde gegen einen schikanierenden Beamten eine Geldbuße verhängt. Leider ist der Anfragebeantwortung nicht zu entnehmen, ob es sich um Bossing oder Staffing gehandelt hat. Übrigens: Da es trotz jahrelanger Überlegungen und Diskussionen kein Anti-Mobbing-Gesetz gibt, steht nicht einmal eindeutig fest, welche Schikanen, welche Bloßstellungen, welche Verspottungen, welche andauernden Kränkungen als „Mobbing“ anzusehen sind. Hauptsache, man fragt nach der Anzahl der Fälle …

Erschienen in Ausgabe 10+11/2011 in der Rubrik „Rubriken“ auf Seite 17 bis 17. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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