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Oscar will keinen Osgar

3 Die amerikanische Film-Akademie, die seit 1929 jährlich einige als „Oscar“ bekannte Auszeichnungen vergibt, ist penibel darauf bedacht, dass niemand am Bekanntheitsgrad dieses Namens partizipiert. Probiert es jemand, wird mit Klagen gedroht. Das spürte in Österreich der Verlegerverband, der einen „Print-Oscar“ für besondere Werbesujets verliehen hat und den Preis in „Adgar“ umbenennen musste, eine Volksschule in Thomasroith (OÖ), die Kinder mit einem „Umwelt-Oscar“ auszeichnete, und eine Gebietskrankenkasse, die einen „Gesundheits-Oskar“ propagierte. Beide mussten andere Namen für ihre Auszeichnungen wählen. Ebenso der „Klub der Wiener Kaffeehausbesitzer“, der einen „Patisserie-Oskar“ kreiert hatte. Sogar der Kinobesitzer Oscar Thurnher in Feldkirch (Vorarlberg) musste sein „Oscar“-Kino auf Betreiben Hollywoods umbenennen. Es heißt jetzt „Kino Namenlos“. Schwierigkeiten hatte der italienische TV-Konzern RAI, der eine Sendung über ausgezeichnete Modeschöpfer mit „La Kore, Oscar della moda“ benannt hatte, auch in Österreich, weil das Programm hier über Kabel zu empfangen war.

Jetzt hat es auch die „Bild“-Zeitung erwischt. Seit Jahren vergibt sie einen „Osgar“ für Menschen, die sich für Frieden und Freiheit besonders einsetzen. Helmut Kohl und Michail Gorbatschow haben die Auszeichnung vor Jahren bekommen. Die US-Film-Akademie sah eine Ähnlichkeit mit ihrem „Oscar“ und klagte auf Unterlassung. Streitwert: 250.000 Euro. Das Landgericht Berlin Hamburg gab schließlich den Amerikanern recht und verbot „Bild“, ihren Preis weiterhin „Osgar“ zu nennen. Dabei hatte der Verlag eine sehr plausible Erklärung für die Namenswahl: Der Preis sei nach einem Schausteller benannt, dessen Namen man Osgar aussprach und auf den die Bezeichnung „frech wie Oskar“ zurückgehe. Wer’s nicht glaubt, ist selbst schuld …

Erschienen in Ausgabe 10+11/2011 in der Rubrik „Rubriken“ auf Seite 17 bis 17. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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