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Beruf und Medien

Zerstreut in alle Winde

Von Elisabeth Horvath

Peter Hocheggers umfang-reicher Kundenstock hat sich mittlerweile aufgelöst. Lediglich Severin Heinisch und Dietmar Trummer, Hocheggers einstige Spitzenmitarbeiter, haben in ihre neu gegründeten Agenturen „Chapter 4“ und „Trummer + Team“ etliche Kunden und Mitarbeiter übernommen. Die übrigen teilt sich die Szene auf.

Karl Jurka, Lobbyist der ersten Stunde mit Sitz in Wien, Berlin, Paris, hat Peter Hochegger auch von einer anderen Seite kennengelernt. Eben nicht nur aus den Medien, sondern – gewissermaßen – hautnah: 2007, als Hocheggers „Geschäft“ so richtig anlief, pflegte der begnadete Netzwerker, alles an Know-how am Markt zusammenzukaufen, was nur käuflich war. Mit „unfassbaren“ Lock-Honoraren, weiß Jurka aus eigener Erfahrung. Hatte Hochegger doch damals auch eine besonders tüchtige Mitarbeiterin aus Jurkas Crew weggekauft.

Doch das „Glück“ währt nicht lange. Jurkas Ex-Kollegin hält es nur ein halbes Jahr beim selbsternannten Lobbyisten aus. Dann gibt sie Fersengeld. „Was der macht“, erzählte sie Karl Jurka später, sei nicht Lobbyismus, sondern „Geschäftemacherei“.

Und das ist es auch, was professionelle Lobbyisten heute noch zur Weißglut bringt. „Hocheggers Unternehmen hat vor 2007 sehr gute PR gemacht. Da waren ein paar exzellente PR-Leute“, sagt Jurka. Hochegger nenne sich ja erst seit 2007 Lobbyist, „ohne die geringste Ahnung davon zu haben; als er von PR zu Geschäftsvermittlung à la Meischberger wechselte“. Nachsatz: „Deshalb hat ihn ja auch ALPAC nicht aufgenommen.“

ALPAC steht für die 2004 gegründete „Plattform für Lobbying und Public Affairs in Österreich“. Als dann aufgrund der Umtriebe von Hochegger, Meischberger, Mensdorff-Pouilly & Co der Begriff Lobbyist zum Unwort des Jahres 2011 gworden war, hat sich ALPAC Anfang Oktober in ÖPAV (Österreichischer Public Affairs Verband) umbenannt und einen eigenen Verhaltenskodex ausgearbeitet. Zu dessen Prinzipien zählen Transparenz ebenso wie das Verbot unlauterer Einflussnahme, Unvereinbarkeit für Mandatare sowie die Regel, dass Entgeltvereinbarungen schriftlich abgeschlossen und nicht unangemessen hoch sein dürfen.

Mit anderen Worten: Der klassische Lobbyismus ist also strategische Politikberatung. Dazu gehört das Recherchieren politischer Prozesse, die Herstellung von Kontakten zu Politikern etc. „80 Prozent machen Recherche, 10 Prozent persönliche Gespräche aus“, so die Lobbyistin Veronika Haunold in den „SN“. Was aber mit Sicherheit nicht dazu gehört – und das betont Karl Jurka wiederholt und energisch: „Wir machen keine Geschäfte und arbeiten auf keinen Fall auf Erfolgshonorar“ – wie etwa Peter Hochegger.

Mittlerweile ist Hocheggers österreichisches Firmenkonglomerat zusammengebrochen. War doch Hocheggers – jedenfalls vorläufiges – Ende der Karriere in Österreich 2009 gekommen, als bei Ermittlungen gegen den Ex-Immofinanz-Chef Karl Petrikovits auch Hocheggers Haus durchsucht und die Justiz stutzig geworden war. Noch im selben Jahr gründete Dietmar Trummer, einer von Hocheggers „Besten“, so Insider, erstmals eine eigene Agentur. Trummer + Team setzt seine Beratungsschwerpunkte in den Bereichen Strategische Kommunikation, Public Affairs und Reputation Management „lückenlos fort“, heißt es auf der Website. Wobei er diese mit vier bedeutungsschweren Codeworten anpreist: Vortragstätigkeit über Integrierte Kommunikation; Team; Mission; Vision.

Etwa zur gleichen Zeit vollzogen drei vormalige Unternehmen der Gruppe Hochegger/Com unter dem Namen „Q-COM CEE“einen Neustart als partnergeführte Beratungsgruppe. Geführt wird diese von Dietmar Trummer, Mick Stempel und Severin Heinisch. Auch Heinisch war zuvor in Hocheggers Unternehmen tätig. Der Schwerpunkt seiner Geschäftstätigkeit lag und liegt in Marktaufbau, Kommunikationsberatung und Public Affairs in Zentral- und Osteuropa.

Knapp ein paar Monate später allerdings, im Jänner 2010, gründet Severin die Gesellschaft „Chapter Four Communications Consulting GmbH“ mit Agenturen in zwölf Standorten, darunter Serbien, Ungarn, Bulgarien, Rumänien, Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Albanien, Montenegro, Mazedonien, Kosovo und weiteren CEE-Ländern. Hocheggers Großkunde Hewlett-Packard ist damals ebenfalls mitgegangen. Und mit 10 Prozent ist auch Ecker & Partner im Boot. Letzterer ist zuständig für eine enge Kooperation in Österreich und die Bündelung der Osteuropaaktivitäten bei Chapter 4.

Im Trummer-Team wiederum arbeitet auch die ehemalige Hochegger-Mitarbeiterin Silke Ploder, die für operativen Kundenkontakt zuständig ist. Partner oder Senior Consultants mit langjähriger Branchenerfahrung sind Ruth Schneggenburger und Martin Kratky. Letzterer zeichnet mit seiner Agentur Proscom für die internationale Vernetzung von Trummer + Team verantwortlich. Und im März 2011 gesellte sich Georg Brockmeyer als Partner hinzu. Dieser ist seit vielen Jahren in der Kommunikation für österreichische und deutsche Non-Profit-Organisationen ebenso tätig wie seit Ende 2007 für den Wiener Wirtschaftsförderungsfonds (WWFF). Sein daraus gewonnenes Wissen in Standortmarketing, Messemarketing und Immobilienmarketing soll in das Angebotsportfolio von Trummer + Team einfließen. Vor 2007 war Brockmeyer etliche Zeit in der politischen Kommunikation Österreichs und in Deutschland tätig, etwa im Büro des damaligen SPÖ-Chefs Alfred Gusenbauer und als Leiter des Gusenbauer-Teams im Nationalratswahlkampf 2002 sowie in der Kommunikationsagentur Hochegger.

Trummers derzeitige Kundenliste reicht von Austrian Airlines über AustriaSat-M7 Group, die „Allianz für Rundfunkqualität und Meinungsvielfalt“ (ORS, ORF, WKO, Grothusen, ATV, Puls 4 etc.), Enso Hydro, ORS, SES Astra, Statistik Austria, Apus bis hin zum ehemaligen Hochegger-Klienten Bank Austria. Weiters führt Trummer auf seiner Website jene „Referenzkunden“ an, die „bis 2009 von Trummer und/oder Silke Poder betreut worden sind“. Es sind 19 an der Zahl, davon eben auch so namhafte wie Telekom Austria, Mobilkom Austria, RZB, Bank Gutmann, Asfinag, ÖBB, Rewe International, aber auch die Non-Profit-Unternehmen wie Österreichisches Rotes Kreuz, Vinzidorf, Kammer der Architekten und Ingenieure.

Allerdings waren nicht alle dieser angeführten Unternehmen Hocheggers Dauerklienten. Einige von ihnen schieden bereits früher aus, etwa Bank Gutmann 2003. Andere wieder „haben die Verträge auslaufen lassen“ (Trummer). Und wieder andere, wie die RZB beispielsweise, hatten keinen Dauer-Beratungsvertrag mit Hochegger-Unternehmen, so ein RZB-Pressemann. RZB habe höchstens ein, zwei Mal von einer Hochegger-Firma ein spezielles Projekt betreuen lassen. Denn es gehört zur Unternehmenskultur von RZB, dass es eine eigene PR-Abteilung unterhält. Und was das Lobbying in Brüssel angeht, so hat die RZB schon vor Langem ein Büro vor Ort eingerichtet. „Wir brauchen keine Lobbying-Agentur“, sagt der RZB-Mann. Referenzkunden bedeuten also nicht Dauerkunden bis 2009.

Natürlich haben Hochegger-Großkunden seit dem Aufkommen der Verdachtsmomente, also schon beginnend mit den angeblichen Vorfällen rund um den Buwog-Verkauf, die Flucht ergriffen. Und sind vielfach anderswo gelandet. Der ÖBB-Konzern unter Leitung von Christian Kern, des studierten Kommunikationswissenschafters und ehemaligen Sachbearbeiters von SP-Klubobmann Peter Kostelka etwa, wird nun vorwiegend von Dietmar Ecker, dem gut beleumdeten PR-Berater und ehemaligen Pressechef von SP-Finanzminister Ferdinand Lacina, beraten. Darüber hinaus, erzählen Insider, sei auch der ehemalige SP-Kommunikationschef und von Hochegger erst unlängst „Angepatzte“ Heinz Lederer beim Kern-Unternehmen beratend unterwegs.

Was Telekom und Mobilkom angeht, so betrauen diese „teilweise die Ketchum Publico-Agentur“ (Dietmar Trummer) mit einschlägigen Aufträgen. In Einzelfällen sei auch der bekannte PR-Mann und Lobbyist Wolfgang Rosam an Bord. Rosam selbst sagt, er habe „keine Klienten von Hochegger übernommen“.

Hocheggers Kunde Bewag wiederum, der burgenländische E
nergieversorger, von dem Hochegger zwischen 2006 und 2009 an die 3,6 Millionen Euro für nicht genau nachvollziehbare Leistungen und Geschäfte – u. a. auch in Ungarn – erhalten hat, ist von Josef (Joe) Kalinas Unique Relations übernommen worden. Detto arbeiten auch zwei ehemalige Hochegger-Mitarbeiterinnen bei Unique Relations. Kalina: „Hochegger hatte ja ein tolles Team, das gute Arbeit geleistet hat. Nur weil der Chef …, hat das nichts mit den Leuten zu tun.“ Was in diesem Zusammenhang Hocheggers Windgeschäfte mit der Bewag-Tochter Austrian Windpower angeht, so ruhe derzeit das Bewag-Verfahren gegen die beiden Ex-Vorstände, schildert Kalina, „solange strafrechtlich gegen sie untersucht wird. Der Bewag-Aufsichtsrat hat jedenfalls im Frühjahr die Notbremse gezogen. Das ist der momentane Stand der Dinge in Sachen Bewag.“

Erschienen in Ausgabe 10+11/2011 in der Rubrik „Beruf und Medien“ auf Seite 54 bis 55 Autor/en: Elisabeth Horvath. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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