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Praxis

Zukunft im Journalismus

Die richtigen Fragen stellen, sich der Wahrheit verpflichtet fühlen und dem Druck von außen trotzen. Was gute Journalisten noch ausmacht und wo die größte Herausforderung lauert, erzählen die 16 Teilnehmer des 20. Journalistenkollegs vom Kuratorium für Journalistenausbildung.

Harald Angerer,

37, Westendorf/Tirol, Redakteur bei der „Tiroler Tageszeitung“

Journalismus bedeutet: informieren, Hintergründe erklären und Missstände aufdecken. Ein guter Journalist sollte … hartnäckig sein, sorgsam recherchieren und sich der Wahrheit verpflichtet fühlen. Die größte Herausforderung: wie Print trotz oder mit Online weiter bestehen kann.

Sophia Angerer,

30, Salzburg, Pressereferentin am Bundesinstitut für Bildungsforschung (BIFIE)

Journalismus bedeutet: in eine Flut an verschiedenen Themen eintauchen zu können. Ein guter Journalist sollte … diese Flut an Informationen kurz und prägnant auf den Punkt bringen können. Die größte Herausforderung: unabhängig, offen und neugierig bleiben.

Raphael Auer,

26, Salzburg, selbstständiger Medienproduzent, Student der Kommunikationswissenschaft

Journalismus bedeutet: quasi die Welt sieben und aus den Klumpen eine geniale Story machen. Ein guter Journalist sollte … 24 Stunden am Tag nachhaken und nichts sofort glauben. Die größte Herausforderung: sich immer wieder selbst übertreffen und nie 100-prozentig zufrieden sein.

Peter Barthou,

36, Wien, Pressesprecher im Bundesministerium für Landesverteidigung und Sport

Journalismus bedeutet: Informationen verknüpfen und möglichst objektiv darstellen zu können. Ein guter Journalist sollte … sich im Denken keine Grenzen setzen – oft ist das Ergebnis anders, als man glaubt. Die größte Herausforderung: Beruf und Berufung unter einen Hut zu bringen.

Franz Brinek,

37, Zell am See, Pauschalist bei der „Salzburger Woche“ und den „Pinzgauer Nachrichten“

Journalismus bedeutet: eine neutrale und unabhängige Berichterstattung. Ein guter Journalist sollte … sich nicht scheuen, kontroversielle Themen aufzugreifen. Die größte Herausforderung: seinen Grundsätzen treu zu bleiben, auch wenn damit Schwierigkeiten verbunden sind.

Mario Kleinberger,

46, Klagenfurt, Redakteur „Kleine Zeitung“ Kärnten

Journalismus bedeutet: Kontrolle, Aufklärung, Information. Ein guter Journalist sollte … ordentlich recherchieren und aus den Informationen eine gute Story schreiben. Die größte Herausforderung: der „Kampf“ der Printmedien gegen die Onlinemedien in den nächsten zehn Jahren.

Marlene Koncar,

29, Graz, Steiermärkische Krankenanstaltsgesellschaft (KAGes)

Journalismus bedeutet: Meinungsbildung. Ein guter Journalist sollte … sich selbst hinterfragen, offen für Neues bleiben. Die größte Herausforderung: In vielen Ländern setzen engagierte, systemkritische Journalisten ihr Leben aufs Spiel – diese Leute verdienen den größten Respekt.

Christina Lenhart,

25, Wien, Redaktionspraktikantin beim ORF-Magazin „Thema“, Studentin der Publizistik

Journalismus bedeutet: die Welt nicht im toten Winkel zu lassen. Und: einen Batzen Arbeit. Ein guter Journalist sollte … zuhören können. Die größte Herausforderung: die Unberechenbarkeit der Geschichten. Plötzlich sind sie da.

Thomas Macher,

24, Salzburg, freier Mitarbeiter „Weekend Magazin“, Student der Germanistik

Journalismus bedeutet: Fragen zu stellen, Antworten zu finden und so präzise wie möglich zu berichten. Ein guter Journalist sollte … neugierig und lästig sein, gewissenhaft recherchieren und angemessen berichten können. Die größte Herausforderung: allen oben genannten Idealen gerecht zu werden.

Julia Neuhauser,

23, Wien, Journalistin bei der „Presse“, Studentin der Politikwissenschaft

Journalismus bedeutet: nicht nur über Geschehnisse zu berichten, sondern auch über ungelöste Probleme. Ein guter Journalist sollte … kommunikativ und hartnäckig sein, um an brisante Geschichten zu kommen. Die größte Herausforderung: diese Fragen in aller Kürze zu beantworten.

Sophie Niedenzu,

25, Wien, freie Mitarbeiterin „Der Standard“ und derstandard.at, Studentin der Publizistik

Journalismus bedeutet: Information, Verantwortung, Nervenstärke. Ein guter Journalist sollte … sich trotz Druck von außen nicht verbiegen lassen. Die größte Herausforderung: kreativ zu sein und den festsitzenden Arbeitsschablonen zu entfliehen, wenn die Zeit im Nacken sitzt.

Hannes Perner,

30, Salzburg, Marketing „Salzburger Woche“

Journalismus bedeutet: unabhängig und korrekt schreiben, weil wir zur öffentlichen Meinungsbildung beitragen. Ein guter Journalist sollte … hinterfragen und die Neugierde der Leser befriedigen. Die größte Herausforderung: wird es sein, junge Leser wieder für die Zeitung zu begeistern.

Elisabeth Pötler,

29, Graz, Journalistin „Kleine Zeitung“ Graz

Journalismus bedeutet: relevante Themen aufzugreifen, zu recherchieren und darüber zu berichten. Ein guter Journalist sollte … gut informiert und kritisch sein und den Kern einer Sache schnell erkennen. Die größte Herausforderung: auch komplexe Sachverhalte kurz und klar darzustellen.

Karin Zauner,

32, Wien, Redakteurin beim Presse- und Informationsdienst der Stadt Wien (PID)

Journalismus bedeutet: aufdecken, darstellen, erklären. Ein guter Journalist sollte … lernen, zuhören, mit Nachdruck die richtigen Fragen stellen. Die größte Herausforderung: Kampf der Gleichgültigkeit!

Thomas Haas,

46, Michaelbeuern, Journalist bei der „Salzachbrücke“

Journalismus bedeutet: Augen und Ohren der Gesellschaft zu sein. Ein guter Journalist sollte … unbequem und sich selbst treu bleiben. Die größte Herausforderung: Spagat zwischen Berufung und Privatleben.

Heidi Huber,

25, Salzburg, Redakteurin bei den „Salzburger Nachrichten“

Journalismus bedeutet: die wichtigen Fragen zu stellen, nicht die unwichtigen zu beantworten. Ein guter Journalist sollte … beide Seiten der Medaille recherchieren. Alles im Leben hat zwei Gesichter. Die größte Herausforderung: mit Seriosität punkten, wo andere billige Hetze betreiben.

Erschienen in Ausgabe 10+11/2011 in der Rubrik „Praxis“ auf Seite 108 bis 111. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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