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Beruf und Medien

An Trennen reiches Jahr von A-Z

Von Harald Fidler

Harald Fidler verabschiedete sich 2011 von vielen. Nur einer saß alles aus: Alexander Wrabetz – das Lexikon des Jahres.

Um Haaresbreite wäre ich jetzt ORF-Chef. Ich versprach ihnen alles, den Parteien und ihren Stiftungsräten. Den einen Personal und Programm nach Wahl, den anderen Jobs nach Wunsch.

Doch mein einziger in dieser Disziplin ernst zu nehmender Gegenkandidat hatte einen – vermutlich spielentscheidenden – Vorteil: Er hatte als ORF-General schon ein paar Jahre Zeit zu zeigen, dass er gerne im Sinne einer Partei Informationsdirektoren und Radiodirektoren ablöst, potenzielle Chefredakteure verschiebt und damit Platz für noch Passendere schafft, die er denn auch bestellt. Kein Wunder, dass es bei Niko Pelinkas Ankündigung blieb, er würde mich für das Hearing zur ORF-Generalswahl nominieren.

So schreibe ich auch dieses kleine Lexikon, den Jahresrückblick 2011 für den „Journalisten“, als Medienredakteur des „Standards“ selbst, statt meinen Küniglberger Bürochef damit zu behelligen. Aber der hätte die 18.000 Zeichen ohnehin allein dafür gebraucht, um wortreich zu erklären, wie toll der ORF seinen öffentlich-rechtlichen Auftrag erfüllt und wie verachtenswert die Privatsender programmieren, auch wenn sie über weite Strecken dasselbe senden wie der gebührenfinanzierte ORF. Und welches Lexikon kommt schon allein mit dem Buchstaben Ö aus? Wobei auch dieses völlig subjektive ABC keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben kann. Ö fehlt aber nicht.

Alex auf Linie. 2008/9 noch von Kanzler Werner Faymann persönlich mit dem Aschenkreuz versehen, schafft Alexander Wrabetz 2011 die Wiederwahl zum ORF-General auf Wunsch der SPÖ. Offizielle Begründung: Der ORF habe den wirtschaftlichen Turnaround geschafft. Das kann man, bei allen Sparanstrengungen auf dem Küniglberg, auch so lesen: Wrabetz und Finanzdirektor Richard Grasl haben geschafft, den Regierungsparteien zweimal 50 und zweimal 30 Millionen Euro extra an Gebührenrefundierung aus dem Bundesbudget herauszureißen, und für diese Management-Großtat wurden sie wiedergewählt. Wrabetz schlug dann noch einen roten Betriebsrat, der ihn wählte, zum Technikdirektor vor, einen schwarzen Betriebsrat zum Länderkoordinator, einen ebenfalls schwarzen Stiftungsrat, der ihn wählte, zum Tiroler Landesdirektor, für die Schwarzen zudem wieder Grasl, und überhaupt gab es bei der großen ORF-Bescherung im September praktisch für jeden etwas. Nicht einmal die fleischgewordene Kolportage über Vollstrecker Niko Pelinkas gefühlten Einfluss auf den ORF, seinen General und die Gäste des von Nikos Vater moderierten „Im Zentrum“ konnte den roten Zug bremsen. Nach dem Rezept schafft Wrabetz locker weitere drei Amtszeiten wie einst Gerd Bacher – wenn es den ORF dann noch gibt. Nur ein Friktionsfaktor zeichnet sich ab: Wird die neue TV-Direktorin Kathrin Zechner so einfach hinnehmen, dass Alexander Wrabetz sie für die Information eher nicht zuständig sieht? Das kann noch heiter werden.

Bescherung. Wer der Politik so entgegenkommt, den bedient auch die Politik: Kaum hat Wrabetz im November seinen Stiftungsräten den Gebührenantrag geschickt, bringen die koalitionären Klubchefs Josef Cap und Karlheinz Kopf das nächste Geschenk per Initiativantrag auf den Weg. Exakt in jener Formulierung, die sich der ORF 2010 wünschte, schreiben sie die Gebührenpflicht für alle vor, die rein technisch über Antenne ORF empfangen könnten. So schließt die Koalition noch schnell vor der Gebührenerhöhung ein Schlupfloch für Satseher, die bei 7 Prozent mehr für den Küniglberg lieber auf den Empfang verzichten könnten. So müssen sie auch ohne ORF-Smartcard zahlen. Es wird nicht das letzte Geschenk bleiben. Nach 2013 braucht der ORF wieder Gebührenabgeltung.

Bettnässer, journalistischer. So darf Wolfgang Fellner Helmut Brandstätter nach einer – bekämpften, also nicht rechtskräftigen – Entscheidung des Wiener Straflandesgerichts nennen (siehe Seite 70). Dafür fand das Wiener Handelsgericht ebenso wenig rechtskräftig okay, dass Brandstätter behauptete, die Berichterstattung von „Österreich“ über den Krisengipfel der EU im Juli 2011 wäre durch ein Inserat des Kanzleramts inhaltlich beeinflusst gewesen. „Kurier“-Chefredakteur Helmut Brandstätter war die Offenlegung von öffentlichen Inseraten wie von Medieneigentum 2011 ein besonderes Anliegen. Fellner antwortete auf seine Weise.

Doppelaxel. Die Drehtür am Media-Tower in der Wiener Taborstraße wird zum Symbol für die Chefetage: Matthias Schönwandt muss Ende Mai nach nur drei Monaten als News-Chef gehen. Nicht etwa, weil er in die Portokasse griff oder silberne Löffel entwendete, sondern weil er halblaut über etwas nachdachte, was bei Gruner + Jahr als Verstoß gilt (siehe auch iPad). Im Oktober tritt der ehemalige „Bravo“-Manager Axel Bogocz als dritter Boss der Verlagsgruppe in einem Jahr den Dienst an – womit sich der wieder übergangene, langjährige Vize und Oberfinanzer Johannes Werle als Auslandsmanager zur Mediengruppe der „Rheinischen Post“ verabschiedet. Was dieses Musterbeispiel an Job-Rotation die Verlagsgruppe News, noch 2010 eine der wirtschaftlich stolzesten Töchter von Gruner + Jahr, wohl kostete? Wir schätzen: grob 40 Prozent des Ergebnisses, das 2010 noch um 20 Millionen Euro gelegen sein soll.

Flachlegen. Armin Wolf zeigt zum Abschluss einer „ZiB 2“, was man unter dem Absurdtrend Planking zu verstehen hat – und bekommt ein Vielfaches der Reaktionen als auf das perfekte TV-Interview. Merke: Der Mann könnte sich einfacher betten. (Siehe auch Schmähstad.)

Familienplanung. Die Wettbewerbsbehörde nahm ihren Namen ernst und verlangte die eine oder andere Auflage, was die Vermehrung des ORF etwas verzögerte. Doch mit dem Nationalfeiertag durfte ORF III starten, der Ableger für Info und Kultur, und mit ihm neu ORF Sport Plus, nun mangels Frequenzpartner 24 Stunden am Tag. Massensport ist dem Kanal laut EU-Verfahren verboten. Und damit ein Eishockey-Weltmeisterschaftsspiel und ein Halbfinale im ÖFB-Cup, entscheidet die Medienbehörde. Bemerkenswert an ORF III: Der öffentlich-rechtliche ORF mit seinen zwei Hauptprogrammen braucht einen dritten Sender, um seinen öffentlich-rechtlichen Auftrag zu erfüllen. Wird noch spannend, wann die Zusatzkanäle Entlastungsgerinne werden, die ORF eins und ORF 2 um allzu anspruchsvolle Formate erleichtern. In keinster Weise die Absicht des ORF, versicherte man auf dem Küniglberg. Das ZDF hat seinen Dokukanal inzwischen zum Jugend(kultur)- und Serienkanal umgebaut. Aber ORF eins hat der ORF ja schon.

Gratisdrama. Nein, wir sprechen weder von der Personalfluktuation bei „Heute“ noch von offensichtlichen Justizirrtümern bei Fellners, dazu kommen wir noch. „Wie das Amen im Gebet“, sah Oliver Voigt 2007 voraus, dass einander Gratistageszeitungen auch in Österreich „selbst kannibalisieren werden“. Nachsatz: „Da werden viele noch viel Geld verlieren.“ Nicht, dass Voigt damit unbedingt Unrecht behalten sollte, nur nach seinem Bruch mit der Verlagsgruppe News heuert Voigt recht rasch im Jahr 2011 als Geschäftsführer bei Wolfgang Fellners „Österreich“ an. Als im Dezember 2011 Kommunikationswissenschafter Wolfgang Langenbucher im weit verzweigten Firmengeflecht hinter „Österreich“ einen Verschleierungsversuch über wirtschaftliche Lage und Zahlen vermutet, amüsiert sich Voigt über die Sorge: „Das kriegen wir hin, das kann ich.“ Wie sagte der Mannheimer noch 2006, im Startjahr von „Österreich“: „Wenn Sie sich die Länder ansehen, in denen Gratismedien nachhaltig verankert sind, wird sich Ihnen das Drama offenbaren. In London werden Passanten die Gratiszeitungen nahezu aufgedrängt. Und keiner nimmt sie mehr. England ist das beste Beispiel für dieses Gratisdrama: Gratis kommt, erschließt sich seine Zielgruppe, macht sich gegenseitig immer mehr Konkurrenz, und irgendwann nehmen es die Leute nicht mehr.“

Hausdurchsuchung. Das s
etzte „Österreich“-Watschen für die dann bald Exjustizministerin Claudia Bandion-Ortner: Ende Jänner durchsuchen Beamte der Staatsanwaltschaft fünf Adressen der Familie Fellner, unter anderem die Villa des „Österreich“-Bosses in Wien-Döbling. Laut Sprecher der Staatsanwaltschaft geht es um den Verdacht der Beihilfe zur Untreue. Anlass: Der Kauf und Verkauf einer Immobilie in Wien 11 von und an die Immofinanz, mit der die Fellners über Jahre viele Geschäfte machten. Die Immobilie wurde kurz nach dem Rückkauf von den Fellners drastisch abgewertet, hieß es in der Immofinanz. Wolfgang Fellner sieht einen „eklatanten Bruch des Redaktionsgeheimnisses“ und beschwert sich dagegen beim Obersten Gerichtshof. Stand dort bei Redaktionsschluss: noch keine Entscheidung.

Hinausgeberin. „Heute“-Herausgeberin Eva Dichand matchte sich 2011 mit Gruner+Jahr-Auslandsvorstand Torsten Klein um den Titel des Hinauswerfers des Jahres. Mit zwei erledigten Chefredakteuren binnen neun Monaten liegt sie ausgezeichnet im Rennen. Richard Schmitt blieb in der Familie und hilft nun Evas Gatten Christoph Dichand, die „Krone“ ein bisschen auf Vordermann zu bringen. Wolfgang Ainetter, von „Bild“ geholt, haut im November den Hut drauf. Nicht etwa, weil er nach Deutschland zurückwollte oder aus privaten Gründen, wie „Heute“ verlauten ließ. Ainetter dürfte sich etwas zu standhaft gegen Wünsche von und Zusagen an den großen Freundeskreis von Eva Dichand gewehrt haben. Und nun? Schupft der von „Österreich“ abgeworbene Chronikchef Wolfgang Höllrigl den Laden? Nadia Weiss, die einen wesentlichen Teil von Dichands Freunden auch gut kennen dürfte? Wie wäre es mit Atha Athanasiadis? Richard Schmitt wird ja wohl eher nicht noch einmal wollen. Und „News“-Chef Peter Pelinka soll ab 2012 ja nicht einmal mehr Kolumnen für das Gratisblatt schreiben (dürfen).

iPad. Virtueller Kündigungsgrund des Jahres. Just in jener News-Gruppe, die seit Gründung für interessante Gegengeschäfte steht: Matthias Schönwandt dachte in einem internen Rundmail halblaut nach, ob man nicht den Geschäftspartnern bei der „Bühne“ ein paar iPads zur Verfügung stellen könnte. Missgünstige Mitarbeiter leiten das Mail des News-Chefs an die interne Revision bei Mutter Gruner + Jahr weiter. (Die Folgen siehe auch Doppelaxel.)

Öffentlich-unrechtlich. Corinna Drumm, Geschäftsführerin des Privatsenderverbands und bekennende Excel-Aficionada, hat eineinhalb Jahre Programm des ORF und wesentlicher Privatsender verglichen und kommt zu dem Schluss, den wir schon länger freien Auges ahnten: Was der ORF, vor allem ORF eins, sendet, unterscheidet sich zu einem wesentlichen Teil nicht von Privatsendern. Das aber schreibt das ORF-Gesetz vor. Wird spannend, was die Medienbehörde zu der Beschwerde sagt.

Rotfunk. Die SPÖ bewahrt bei allem Bemühen um das Große, also den ORF, auch Sinn für kleinere Einheiten: Im Jänner vergibt die ORF-Sendertochter ORS die Lizenz für ein regionales Antennen-TV an Schau-TV des bisher mit Fernsehen nicht befassten Bohmann-Verlags. Der gilt etwa dank traditionell großer Auftragsmedienetats (wien.at & Co.) als der Stadt verbunden. Programmchef wird Rudolf Mathias, Manager des städtischen Pressediensts und 2001 schon kurz Gründungschefredakteur des „U-Expresses“, des Mediaprint-Vorläufers von „Heute“. Ab Juni führt Marcin Kotlowski, davor Pressesprecher von Medienstaatssekretär Josef Ostermayer und der SPÖ, die Medienaktivitäten der Wien-Holding, zu denen der Kabel-Stadtsender W24 gehört. Und der ebenfalls rote Echo-Verlag produziert munter TV-Programm, etwa für W24 – mehr dazu auch unter Rot und Schwarz.

Rot und Schwarz lachte sich die Mediaprint 2011 an. In Niederösterreich steigt sie – nach kartellrechtlich weniger geschickten Anläufen – bei den Gratiswochenzeitungen des doch eher kirchlich-bürgerlichen St. Pöltener Pressehauses ein, in Wien bei den „Bezirksblättern“ des Echo-Medienhauses, das dem sozialdemokratischen Verein der Wiener Arbeiterheime gehört. Wenn die Bundeswettbewerbsbehörde oder ein Kartellgericht nicht doch noch was an den Beteiligungen des Zeitungskraken auszusetzen hat.

Scheiße, arrogante. So unschön zerlegte Rapper und Juror Sido den Auftritt von Heurigenwirt Martin Zimmermann und seinem Ansager Michael Jeannée, im Hauptberuf „Krone“-Postler, bei der „großen Chance“, noch bevor die beiden loslegen konnten (siehe Seite 78). Jeannée vermutet eine Retourkutsche von Noch-Programmdirektor Wolfgang Lorenz. Die Einlage dürfen wir getrost zu den Fernseh-Momenten des Jahres zählen.

Schiedsgericht. Alle Jahre wieder: Auch nach dem Tod von Hans Dichand 2010 beschäftigen die „Krone“-Gesellschafter weiter Schiedsrichter nach Schweizer Recht. Sie sollen klären, ob Hans Dichand seinen Sohn Christoph noch zu Lebzeiten und formal korrekt zum „Krone“-Herausgeber gemacht hat (darüber soll es unterschiedliche Aussagen geben), ob die WAZ für die Gewinngarantie zugunsten der Dichands in wirtschaftlich mageren Mediaprint-Jahren geradestehen muss, ob Familie Dichand vielleicht doch mehr Einfluss auf „Heute“ hat, als sie ohne Zustimmung der „Krone“-Mitgesellschafter WAZ darf, und ob die Mediaprint-Mitgesellschafter WAZ und Raiffeisen den Abopreis der „Krone“ gegen den Willen der Dichands erhöhen dürfen. Wir werden dieses Stichwort also auch im Jahresrückblick 2012 nicht missen müssen.

Schmähstad. Noch so ein Fernseh-Moment des Jahres: Ungewohnt unsouverän war Medienstaatssekretär Josef Ostermayer, als ihn Armin Wolf in der „ZiB 2“ zu Regierungsinseraten befragte, die sich just in drei Zeitungen häufen. Dass Ostermayer vielleicht „für den Werner“ ein paar Werbemillionen bei den ÖBB eingefordert haben könnte, die damit zur ÖBB-Kritik die passenden Faymann-Lösungskolumnen finanzierten, konnte der Staatssekretär nicht ausschließen, nur: Seine Wortwahl wäre das an sich nicht. (Siehe auch Transparenz.)

Servus. Gruß- und Abschiedswort in einem, das passt gut zu einer der Personalien des Jahres: Mit März wird Horst Pirker Geschäftsführer des Red Bull Media House. Mit Jahresende 2011 verabschiedet er sich auch schon wieder von dem Softdrinkriesen. Aber der Reihe nach: Dietrich Mateschitz holt den langjährigen Boss der Styria Media Group, auf dass er ihm eine Medienstrategie ausarbeitet und umsetzt. Die Strategie präsentiert Pirker im Frühherbst. Dass sich just in diesen Tagen der langjährige Programmmanager von Servus TV verabschiedet, könnte damit zusammenhängen. Wolfgang Pütz’ Abgang hat aber jedenfalls auch mit dessen Gesundheit zu tun. Wie Pirkers möglicher Rückzug mehr an familiären Gründen liegen dürfte als an Auffassungsunterschieden mit Mateschitz. Der soll bei der Präsentation eher frohlockt haben über einen Schub, der die Bullenmedien in eine gescheite Richtung katapultiert. Im-Kreis-Fahren über Jahre passt als Konzept auch eher in die Formel 1. Wir tippen strategisch auf: eine globale Red-Bull-Welt, mit möglichst webbasiertem Red-Bull-TV, neu fokussiertem RedBull.com, „Red Bulletin“ und einer Vermarktungsschiene, zudem eine regionale süddeutsch-österreichische Servus-Welt mit Servus TV für Österreich und das südliche Deutschland, ebenso das „Servus-Magazin“, die passende Onlinepräsenz und Vermarktung Marke Manufactum & Co. Wo in diesem Konzept „Seitenblicke“ und „Speedweek“ bleiben, rätseln wir noch. Und was Pirker künftig so treibt, wird auch noch spannend. Die Mediaprint zum Beispiel könnte noch immer einen Supermanager suchen. Aber das bringt der Styria-Mann wohl nicht übers Herz.

Transparenz klang stark nach Medienwort des Jahres. Wohl wegen der besonderen Spendierfreude vor allem roter Ministerien und Firmen für „Heute“, „
Österreich“ und „Krone“ drängten Zeitungsverband und ÖVP vehement, öffentliche Stellen müssten ihre Inseratenaufträge offenlegen. Nicht zur Freude auch anderer Verbandsmitglieder – wo doch die SPÖ daraufhin auch Länder und Gemeinden zum Buchungsstrip einlädt. Im Dezember beschließen SPÖ, ÖVP, BZÖ und Grüne das Gesetz tatsächlich – mitsamt von der ÖVP gewünschter Offenlegungspflicht für Medieneigentümer. Die Regelung zielt wohl vor allem auf „Heute“. Mehr als längst Bekanntes dürfte dabei freilich nicht herauskommen: Das Gratisblatt gehört einer Stiftung, der „Heute“-Manager und Ex-Faymann-Sprecher Wolfgang Jansky vorsteht, deren Begünstigte sind die Verbrechensopferhilfe Weißer Ring und Rettet den Stephansdom. Beteiligt ist zudem ein SP-naher Wirtschaftstreuhänder (der Faymann 2011 unter anderem bei der Sanierung der SPÖ berät), der aber schon 2010 vor Gericht unter Wahrheitspflicht erklärt hat, dass er die Anteile „im eigenen Namen, auf eigene Rechnung“ hält. Und dass Eva Dichand jener Mensch ist, der bei „Heute“ das Sagen hat, erklärte sie nicht nur recht offen bei den Medientagen (siehe auch Hinausgeberin). Eine Beschwerde anonymer Auftraggeber bei der Wettbewerbsbehörde über die Eigentumsverhältnisse bei „Heute“ und mögliche Verflechtungen mit der „Krone“ klingt ähnlich aussichtsreich. Aber vielleicht legt das Transparenzgesetz ja noch ein paar stille Investoren von „Österreich“ offen – wobei sich gewiss auch für deren weitere Anonymität eine rechtliche Hintertüre findet.

Weltstadt, der Zeitungen nämlich, war Wien. Ein paar Tage. Im Oktober 2011. Als der Branchenweltverband auf dem Messegelände tagte und in Gumpoldskirchen österreichisches Brauchtum kennenlernte. Und ich hab’s großteils krankheitsbedingt verpasst. Gut, dass sich die Branche unverdrossen gesund fühlt, wie man dort hörte.

Wohlfeil, Mann. Jetzt, wo der Kanzler die sozialen Medien für sich entdeckt hat, kann ja nicht einmal ich mehr auf total asozial machen. Zwei Twitter-Accounts – dieMedienat für Medien, Schmecks für Mahlzeiten – sind da wohl das Mindeste, dazu die eine oder andere Präsenz in Facebook. Gut, ich habe beileibe nicht so viele Freunde wie Werner Faymann, aber dafür vermutlich auch deutlich weniger falsche – und wer sollte mir schon Freunde bezahlen? Apropos: Meine soziale Medienader kostete, grob gerechnet, ein Hundert- bis Zweihunderttausendstel von der des Kanzlers. Kein Vergleich mit einem Journalisten, den der Kanzler offenbar verdächtigt, ihn total sozial als Failmann zu veräppeln. Der Verdächtige kann sich seit Spätherbst seine Aufträge eines tiefroten Verlagshauses aufzeichnen und sich ins Facebook schreiben: Du wirst nicht ungestraft den Kanzler schmähen.

Zweiklassengesellschaft. Verleger und Journalistengewerkschaft bastelten intensiv an einem neuen Journalistenkollektivvertrag, der eben dieser Zweiklassengesellschaft von Print first und dann eben Online auf Sicht ein Ende bereiten soll. Bin gespannt, ob das Werk gelingt.

Zukunft. Alles bleibt besser. Das wusste schon Monika Lindner. Die ist heute auch nicht ORF-General.

Harald Fidler

ist Medienredakteur des „Standards“ und leitet den Onlinedienst etat.at.

harald.fidler@derstandard.at

Erschienen in Ausgabe 12/202012 in der Rubrik „Beruf und Medien“ auf Seite 80 bis 87 Autor/en: Harald Fidler. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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