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Special Tirol

Info auf allen Kanälen

Von Engelbert Washietl

Hermann Petz, Vorstandsvorsitzender der Moser Holding, wirft der Regierung vor, nur Ostösterreich zu informieren. Die „Tiroler Tageszeitung“ hält er für krisenfest auf allen medialen Plattformen.

Die Auseinandersetzung über die so genannten Regierungsinserate ist zum Top-Thema geworden. Betrifft Sie das in Tirol auch? Sie werden ja ebenfalls von Regierungsseite oder auch von staatsnahen Großunternehmen Inseratenaufträge bekommen?

Hermann Petz: In der Umsatzauswirkung betrifft uns das nur am Rand. Wir bekommen nämlich verhältnismäßig wenig, was uns sehr unabhängig macht. Unabhängiger Journalismus schließt aus, dass zugleich ein hoher Prozentsatz des Anzeigenteils aus öffentlicher Werbung besteht. Da ist man dann nicht mehr glaubwürdig, erst recht nicht, wenn die Aufträge immer aus einer Richtung kommen. Aber in gewisser Hinsicht ist die Diskussion auch zu weit gegangen. Es ist der Eindruck entstanden, dass politische Information und Werbung im Inseratenteil nichts zu suchen hätten. Es ist sehr wohl wichtig, dass die Bürger über bestimmte politische Vorgänge und Projekte informiert werden. Printmedien sind das geeignete Format dafür. Ich war einer der Befürworter eines Transparenzgesetzes. Man sollte sehen, wie viel Geld aus einer Richtung kommt, die Abrechnung kann durchaus kumuliert erfolgen. Es geht nicht darum, wer welchen Auftrag zu welchen Konditionen in welchen Medien erteilt, sondern um ein Gesamtbild, das stimmen muss. So ist das vorgesehen und ich hoffe, dass die Kontroverse dann wieder auf das richtige Maß zurückgeführt wird. Es soll auch so sein, dass die Politik dort inseriert, wo auch die entsprechende Reichweite erzielt wird. Aber es ist schwer zu erklären, dass man die Bürger in eine informierte östliche und eine nicht informierte westliche Klasse aufteilt. Es ist schon vorgekommen, dass bundesweit relevante Inserate in „Österreich“, „Heute“ und „Krone“ geführt wurden, in Westösterreich aber überhaupt nicht. Ich erwarte mir schon, dass man darüber mehr nachdenkt. Wenn das gelingt, kann es für uns in Tirol sicher nicht weniger Schaltvolumen werden.

Wie hoch ist der Prozentsatz der politischen Werbung bei Ihnen?

Das ist auf jeden Fall ein niedriger einstelliger Prozentsatz, unter fünf Prozent. Er sollte überall unter zehn Prozent liegen. Die Medien werden generell einen unabhängigen Journalismus bieten müssen, sodass der Leser nicht das Gefühl hat, dass in dem Medium eine wichtige Information weggelassen wurde.

Halten Sie die Einbeziehung des Inseratenthemas in den Untersuchungsausschuss des Parlaments für richtig?

Der U-Ausschuss ist geschaffen worden, um die politische Verantwortung einzelner Institutionen bei verschiedenen Themen zu klären. Was ich mir erwarte, ist eine gewisse Verhaltensänderung, sodass ein Untersuchungsausschuss für solche Angelegenheiten gar nicht mehr notwendig wäre.

Im Jänner dieses Jahres schien es mit der Wirtschaft nach der Krise wieder aufwärts zu gehen. Sie sagten damals, Sie erwarteten für 2011 ein Ergebnis „über Erwartungen“. Sagen Sie das heute noch immer?

Wenn wir das Kalenderjahr 2011 nehmen, werden wir das Budget erreichen. Wir haben allerdings ein abweichendes Wirtschaftsjahr, es läuft von Juli bis Juni. Eigentlich hat die Umsatzentwicklung bis Oktober gut gehalten, wobei wir dank unserer unterschiedlichen Geschäftsfelder auch im November nicht weit vom Budget entfernt liegen. Mit Ausnahme der Stelleninserate, die seit Herbst wieder zurückgehen, ist das auch so. Stellenanzeigen sind immer ein Indikator für die Lage in der Wirtschaft. Mit einer gewissen Eintrübung 2012 ist also zu rechnen.

Sie bereiten sich darauf vor?

Wir haben einige Innovationen auf Produktebene sowie im Verkauf umgesetzt – wie zum Beispiel innenliegende Druckstrecken für Werbung in der „Tiroler Tageszeitung“. Erfreulich ist auch die sehr gute Entwicklung der Regionalmedien Austria – RMA. Mit all dem bin ich somit auch für 2012 zuversichtlich.

Wenn aber die Konjunktur abstürzt, brauchen sich auch die Medien nicht mehr viel zu erwarten, oder?

So pessimistisch bin ich nicht. Es gibt unterschiedliche Einschätzungen. Totgesagte leben länger, das gilt auch für den schon mehrmals in den Ruin geredeten Euro. Ich bin optimistisch, dass die Krise nicht so lang andauert.

Was haben Sie im kommenden Jahr vor. Gibt es neue Projekte?

Wir haben uns in unserer strategischen Aufstellung so ausgerichtet, dass wir uns auf regionale Medien konzentrieren, also auf die Kauftageszeitung auf allen Kanälen in Tirol, sowie auf die Gratiswochenzeitungen gemeinsam mit der Styria und in Oberösterreich. Jetzt wollen wir konsequent an der Optimierung dieser Medien arbeiten. Zusätzlich gibt es noch Projekte wie das erstmals erschienene Wirtschaftsmagazin „Alpha“. Schon die erste Nummer wurde finanziell ausgeglichen abgeschlossen, die zweite Nummer wird sehr erfolgreich sein. Wir überlegen auch bei diesen kleinen Einheiten eine Entwicklung in Richtung „social media“.

Mit der Universität Innsbruck verstärken Sie die Zusammenarbeit – es gibt Ringvorlesungen, einen Medientag. Was erhoffen Sie sich davon?

Wir arbeiten verstärkt mit der Uni zusammen. Der Anstoß dazu wurde in einem Gespräch mit Univ.-Prof. Karlheinz Töchterle und Medien-Experten der Uni zu einer Zeit gegeben, als Töchterle noch nicht Wissenschaftsminister war. Die Problemstellung lautete: Wie ist die Bedeutung des Internets in verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen, in Verschränkung mit den Medien oder auch dem Web 2.0 einzuschätzen? Da gibt es neue Phänomene, die man erst einordnen muss. Nehmen Sie beispielsweise den Auftritt des Bundeskanzler-Teams im Internet, und dann twittert ein gewisser Failmann, der die ganze Republik in seinen Bann zieht. Eine andere Frage könnte sein: Sollte der Google-Algorithmus nicht öffentlich werden, sodass wir wissen, was, wen und wie Google abfragt? Wo liegt die Aufgabe der regionalen Nachrichtenmarke im Bündel aller Kanäle, die es gibt und die noch kommen werden?

Wenn Sie Player werden wollen, der Einfluss darauf nimmt, dann müssten Sie personell ganz schön aufrüsten.

Das glaube ich eben nicht. Wir haben natürlich unser Onlineteam, das auch Facebook entsprechend beobachtet und bedient. Da ist schon eine Sub-Community entstanden. Die Kosten sind überschaubar, und wir lernen dabei sehr viel.

Und wenn man ein paar Hunderttausend Akten von Wikileaks durchforsten soll – wer schafft das?

Im Fokus eines regionalen Medienhauses wie der Moser Holding steht zuerst die Frage: Haben die Inhalte einen regionalen Bezug bzw. eine Relevanz für uns? Da sage ich, die Wikileaks-Einträge mit Tirol-Bezug sind überschaubar.

Ihre Hoffnung – die Menschen vertrauen der Lokalzeitung?

Ja, und da haben wir den Vorteil, dass das Vertrauen schon vor langer Zeit aufgebaut wurde. Gäbe es heute nur Internet und Google und nicht die herkömmlichen Medien, so würde genau deshalb der Ruf nach solchen laut, weil die Menschen einen Überblick haben wollen, wie die Nachrichten zustande kommen und wer sie auswählt. Da stoßen sie auf die Nachrichtenmarke, die für sie diese Leistungen erbringt. Und irgendwann wird diese Leistung auch etwas kosten dürfen. Lokale Nachrichten sind im Internet schwer zu substituieren. Unser Grundsatz lautet: Wer ein Abonnement der „Tiroler Tageszeitung“ hat, muss Zugang zur Information auf allen Kanälen haben können.

Engelbert Washietl

ist freier Journalist in Wien.

engelbert.washietl@gmail.com

Erschienen in Ausgabe 12/202012 in der Rubrik „Special Tirol“ auf Seite 104 bis 105 Autor/en: Engelbert Washietl. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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