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Beruf und Medien

Jeannée: „Skandalös, wenn Interna hinausgetragen werden“

Von Interview: Theresa Steininger

Gut, vor Weihnachten kommt Post öfters einmal mit Verspätung an. Aber auch diese? Michael Jeannées Kolumne „Post von Jeannée“ zu Bundeskanzler Werner Faymanns Facebook- Auftritt erschien mit einem Tag Verzögerung. Die „Krone“- Redaktion rückte den Kommentar, in dem Jeannée die „sofortige Schließung des Kanzler-Facebooks“ forderte und SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas mit den Social-Media-Belangen des Kanzlers in Verbindung brachte, vorerst aus dem Blatt und am Folgetag wieder hinein.

„Lieber Werner Faymann, vor drei Wochen hörten Sie wieder einmal (zu viel) auf Laura Rudas und wagten sich mit einem Kanzler-Facebook in den Internet-Dschungel mit seiner gefährlichen Fake-Falle.“ So begann Ihre Post, die für den 24. November vorgesehen war, allerdings zuerst nicht gedruckt wurde, warum?

Michael Jeannée: Das ist doch geklärt … Es war eine interne Debatte. Der Chefredakteur war nicht da, ich auch nicht mehr. Ich hatte gesagt: „Wenn etwas ist, bin ich erreichbar.“ Dann wurde der Chefredakteur von der Redaktion informiert, dass in meiner Kolumne etwas inhaltlich nicht stimmen würde – dass nämlich Laura Rudas nichts mit Faymanns Facebook-Auftritt zu tun habe. Dichand meinte, man solle mich anrufen und mich bitten, eine andere Kolumne zu schreiben, wenn die Information meines Artikels falsch sei. Ich wurde vom CvD informiert und sagte: „Ich schreibe nichts anderes. Wenn ihr das nicht wollt, dann erscheint eben gar nichts.“ Nun habe ich nichts gegen Leute, die gegen meine Meinung sind, aber ich habe etwas gegen Maulwürfe. Das eigentlich Bestürzende, ja Skandalöse ist doch, dass die Zeitung noch nicht einmal auf dem Markt war, aber im „Standard“ schon stand, dass meine Kolumne nicht erscheinen werde. Es ist skandalös, dass so ein redaktionelles Internum hinausgetragen wurde.

Schon Mittwochabend las man im „Standard“: „Ohne, Post von Michael Jeannée‘ erscheint die, Krone‘ am Donnerstag. Nach neuen Informationen aus der, Krone‘ hatte Jeannée den Social-Media-Auftritt Laura Rudas zugeordnet und diese für die Komplikationen verantwortlich gemacht.“ Haben Sie einen Verdacht, wer diese Interna weitererzählt hat?

Ich habe meine Vermutungen, aber ich weiß es nicht. Das geht einfach nicht! In einer Redaktion wird alles Mögliche diskutiert. Es gab diese Irritation, diesen Streit, wie auch immer man es nennt. Man kann ja über alles reden. Aber es muss intern bleiben. Es fällt ja sowieso auf, wenn meine Kolumne nicht erscheint. Wenn Harald Fidler vom „Standard“ mich dann nach Erscheinen der „Krone“ anruft und mich danach fragt, werde ich dies kommentieren. Aber dass er sogar vor Erscheinen der Zeitung Bescheid wusste und sogar informiert war, um welches Thema die Kolumne sich drehte …

Wie kam es dazu, dass die Redaktion umdachte und die Kolumne schließlich mit einem Tag Verspätung abdruckte?

Ich war am nächsten Tag bei Christian Dichand. Nachdem er mich kennt und weiß, wie ich arbeite, hat er sich sachkundig gemacht und er sagte mir schließlich: „Es tut mir leid, ich weiß jetzt mehr über dieses Thema.“ Für mich ist die Sache damit in Ordnung, die Kolumne wurde schließlich eins zu eins veröffentlicht. Was aber nicht in Ordnung ist, ist das Hinaustragen von Information aus der Redaktion.

Sie können also damit leben, dass Ihre Kolumne vorerst aus dem Blatt geworfen wurde?

Schauen Sie, diese Kolumne ist meine Meinung, es ist eine polarisierende Kolumne. Aber ich habe mich sachkundig gemacht und einige Informanten haben gesagt: „Ja, das kannst du ruhig so schreiben.“ Doch jemand hat die Hand für Rudas ins Feuer gelegt und auch der Chefredakteur wurde falsch informiert. Es ging ja in dieser Diskussion nicht um die Härte des Textes, den direkten Angriff oder die Formulierung. Dichand sagte ja auch dezidiert, er wolle mich nicht zensurieren, aber der Inhalt muss stimmen. Wie ich es dann aufbereite, ist meine Sache. Das war in fünf Jahren noch nie ein Thema, auch mit dem alten Dichand habe ich nie eine Diskussion über Formulierungen geführt.

Sie werden also weiterhin alle Freiheiten haben?

So ist es.

Theresa Steininger

ist freie Journalistin in Wien.

tsteininger@gmx.at

Erschienen in Ausgabe 12/202012 in der Rubrik „Beruf und Medien“ auf Seite 78 bis 79 Autor/en: Interview: Theresa Steininger. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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