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Kachelmann und der Paparazzo

Von Kurt Tozzer

Jörg Kachelmann darf Paparazzo fotografieren und auf seine Homepage stellen.

1 Wie du mir, so ich dir – eine traditionelle Art, Unrecht zu bestrafen. Nun hat sie auch der bekannte deutsche TV-Wetterfrosch Jörg Kachelmann, 53, in einem Zwist mit einem Paparazzo angewendet. Natürlich musste sich zusätzlich noch das Gericht mit der Auseinandersetzung beschäftigen.

Gegen Kachelmann lief seit dem Frühjahr 2010 in Mannheim ein Vergewaltigungsprozess, der gewaltiges Medienecho auslöste. Aktuelle Bilder des Wetter-Moderators waren gefragt, und Fotoreporter Jörg Völkerling wusste, wie man sie besorgen konnte. Der für „Bild“ und RTL arbeitende Paparazzo fotografierte aus einem Nachbarhaus unbemerkt den damals in Untersuchungshaft befindlichen Kachelmann beim Rundgang im Gefängnishof.

Kachelmann klagte nach Erscheinen dieser Fotos nicht nur wegen der Verletzung seiner Persönlichkeitsrechte – immerhin hat er sich ja technisch gar nicht gegen das Fotografieren wehren können – er veröffentlichte auch selbst auf seiner Internet-Seite ein Bild des Reporters, wie dieser wartend in einem Auto in der Nähe der Kachelmann-Wohnung auf eine Schussgelegenheit mit seinem Tele wartet. Völkerling wieder erblickte in dieser Veröffentlichung eine Retourkutsche des TV-Moderators und klagte ebenfalls wegen Verletzung seiner Persönlichkeitsrechte. Das Gericht in Stuttgart entschied nun salomonisch: Kachelmann darf nicht beim Rundgang im Gefängnishof gezeigt werden, Völkerling im Auto lauernd jedoch schon. Die Begründung für diesen Freibrief: das den Reporter zeigende Foto sei „von zeitgeschichtlichem Interesse“. Die Öffentlichkeit habe ein Recht zu erfahren, wie die Berichterstattung über Prominente zustande komme. Und der auf einen Schnappschuss wartende Paparazzo zeige eben, wie diese Berichterstattung vorbereitet werde.

Kurt Tozzer

ist freier Journalist in Wien.

tozzer@aon.at

Erschienen in Ausgabe 12/202012 in der Rubrik „Rubriken“ auf Seite 16 bis 16 Autor/en: Kurt Tozzer. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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