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Editorial

Licht und Schatten

Von Georg Taitl Ist „Journalist“-Herausgeber.

Die Unterhaltung des ORF steht in der Kritik. Die Information hingegen ist „Redaktion des Jahres“.

Christoph Dichand hat uns kurz vor dem Tod seines Vaters zornig gefragt, ob wir es denn nötig hätten, mit der „Krone“ so grob umzugehen. Anlass war ein Beitrag von Freddy Kräftner über den Kurs der „Krone“ in den letzten Lebensmonaten Dichands. Gar nicht viel Neues, fanden wir, aber in der Zusammenfassung wohl etwas viel, empfand wohl Christoph Dichand.

Was hätten wir dem künftigen „Krone“-Chef sagen sollen? Dass wir erstens nie viel davon gehalten haben, vor den Großen zu buckeln, um dann umso lustvoller die Kleinen anzupinkeln, wie manche das machen? Und zweitens, dass wir uns wundern, dass jemand täglich ungeniert austeilt, aber anscheinend nicht einstecken kann?

So haben wir das Herrn Dichand natürlich nicht gesagt. Wir haben es etwas feiner versucht, quasi im Schongang: „Große Unternehmen fördern auch mehr Kritik als kleine und ganz besonders große stehen naturgemäß in einer ganz besonderen Aufmerksamkeit, das gilt auch für die, Krone‘“, antworteten wir ihm. Irgendwie dürfte er das in den falschen Hals bekommen haben, denn seither redet er überhaupt nicht mehr mit uns.

Das Phänomen „Größe fördert Kritik“ erlebt auch der ORF. Aktuell steht die Unterhaltung unter Beschuss. ORF-Publikumsrat Andreas Kratschmar forderte beispielsweise einen „Stopp der Selbstprivatisierung“. Dem ORF kann man allerdings nicht unterstellen, nicht über Kritik zu reden. ORF-Direktorin Kathrin Zechner hat sich „Journalist“-Autorin Elisabeth Horvath gestellt und Antworten auf viele unangenehme Fragen gegeben.

Dass Licht und Schatten Geschwister sind, zeigt sich übrigens sehr schön am ORF. Während die Unterhaltung Kritik einstecken muss, kann sich die ORF-Information über massives Lob der Branche freuen. Bei der traditionellen Wahl der „Journalisten des Jahres“ sind viele ORF-Mitarbeiter unter den jeweils ersten zehn.

In der Kategorie Außenpolitik sind gleich die ersten drei Bestgereihten ORF-Journalisten (Karim El-Gawhary, Raimund Löw und Eugen Freund), in der Kultur belegt Barbara Rett vor Clarissa Stadler Platz 1. Und auch die Unterhaltung wird von ORF- (und „Kurier“-)Journalist Karl Hohenlohe angeführt.

Dafür gibt es Punkte, zehn für einen 1. Platz, neun für einen 2. … und noch einen Punkt für den 10. Platz. Der ORF erreichte in diesem Jahr 112 Punkte und ist damit auch 2011 „Redaktion des Jahres“. Eigentlich klar, möchte man meinen, hat doch der ORF auch die größte Redaktion des Landes und damit einen natürlichen Vorsprung. Vor diesem Hintergrund ist die Leistung der „Presse“ mit 101 Punkten und Platz 2 ganz besonders zu sehen – auch mit dem enormen Abstand zum Drittplatzierten.

Beste Magazinredaktion des Jahres ist erneut das „Profil“ – unter anderem mit Dauersieger in der Wirtschaft Michael Nikbakhsh.

Wir freuen uns mit allen Preisträgern. Sie haben 2011 Außergewöhnliches geleistet.

Zukunft I

Welche Themen werden Journalisten und Medienmacher 2012 begleiten? Wo werden die künftigen Medientrends gemacht? Wie ticken die modernen Medienmacher? Mitte Jänner erscheint das „Jahrbuch für Journalisten 2012“. Darin sind die wichtigsten Beiträge gesammelt, die in den zurückliegenden Monaten über die Entwicklungen im Journalismus und im Mediengeschäft veröffentlicht wurden. Zahlreiche Autoren zeigen, wie sich Journalisten und Medienmacher den künftigen Anforderungen stellen, was Zukunft hat und was auf dem Müllhaufen der Mediengeschichte landet. Sie können sich schon jetzt ein Exemplar sichern (E-Mail: vertrieb@oberauer.com).

Zukunft II

In diesen Tagen ist bei uns der internationale Branchenbestseller „Zeitungsinnovationen – Weltreport“ in deutscher Sprache erschienen. Auf 76 Seiten sind die wichtigsten Themen zusammengefasst, die Chefredakteure, Führungskräfte und Verleger von Tages- und Wochenzeitungen in nächster Zukunft beschäftigen werden. Ein Schwerpunkt ist das multimediale Arbeiten in Medienhäusern. „Das iPad als Rettung der Medienbranche?“, „Wie funktionieren Paywalls?“, „Wie Zeitungen mit digitalen Kiosken ihren Umsatz steigern können“ und „Wie Zeitungen Social Media erfolgreich nutzen“ sind nur eine kleine Auswahl der Themen. „Der neue Redaktionsalltag“ auf Seite 112 in diesem „Journalisten“ ist ein Abdruck aus dem Report (Bestellung: E-Mail: vertrieb@oberauer.com).

Erschienen in Ausgabe 12/202012 in der Rubrik „Editorial“ auf Seite 3 bis 7 Autor/en: Georg Taitl Ist „Journalist“-Herausgeber.. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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