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Special Tirol

Reichweite suchen alle

Von Engelbert Washietl

„Krone“ und „TT“ haben sich auf einen gemeinsamen Zeitungsvertrieb eingelassen. Der ORF Tirol wird zum Jahreswechsel einen neuen Landesdirektor bekommen und noch mehr Wert auf Unparteilichkeit legen müssen.

Das Ding ist ein halbes Kilo schwer und eine papierene Kreativwerkstatt für Designer im Umgang mit regionaler Wirtschaft und Kultur: das Wirtschaftsmagazin „Alpha“. Das ist, wie die Moser Holding im November stolz mitteilte, „die Print-Innovation“ aus dem Verlagshaus, zunächst in 9.500 Stück. Im kommenden Jahr wird es zwei weitere Ausgaben aus dem Hochqualitätssegment geben. „Wir schlagen mit hochwertigen Inhalten und einem außergewöhnlichen Design einen neuen Weg im Bereich der Wirtschaftsmagazine ein“, sagt Andreas Eisendle, Geschäftsfeldleiter Radio und Magazine der Moser Holding. Entscheider in Tirol werden mit besonderen Konzepten und Ideen, mit Porträts, Reportagen und Interviews angesprochen. Ein Blick über den Tellerrand Tirols also, aber nicht zu weit hinaus. „Alpha“ soll die verlegerische Kompetenz und vor allem den „Brand“ des Medienunternehmens stärker verankern.

Bei den zwei meistverbreiteten Tageszeitungen Tirols ist das Wort Reichweite in Verruf geraten. Das hat keineswegs mit dem neuen Wirtschaftsmagazin zu tun, sondern eher mit Methodenproblemen der Media-Analyse. In Tirol stürzte die „Tiroler Tageszeitung“ von 52,7 Prozent Reichweite (2009/10) auf 44,9 Prozent (2010/11) ab, die „Tiroler Krone“ von 40,8 auf 35,5 Prozent. Da muss man jetzt fairerweise hinzufügen: In beiden Fällen wurde diese negative Entwicklung durch die von der Auflagenkontrolle ÖAK erhobenen Daten nicht bestätigt und vielleicht sogar Lügen gestraft. „Die Diskrepanz zwischen Media-Analyse und ÖAK ist ärgerlich, die MA-Daten sind mit der Auflagenentwicklung nicht in Einklang zu bringen“, sagt „Krone“-Chefredakteur Walther Prüller. Seine einzige Rosine im sauren Kuchen: „Nettogewinner sind wir insofern, als unser Rückgang geringer war als der der, TT‘, sodass der Abstand der, Tiroler Krone‘ zum Mitbewerber kleiner wurde.“ In Auflagezahlen sind keine Erschütterungen wahrzunehmen. Die „Krone“ verkaufte im ersten Halbjahr 2011 mit 51.993 Stück etwas mehr als im Vergleichszeitraum 2010, die „TT“ hat mit 84.560 Verkaufsauflage rund 1.800 Stück weniger verkauft. Beides ist keine dramatische Veränderung.

In dem gesamtösterreichischen Auftritt der Regionalmedien Austria (RMA) sieht Moser-Holding-Vorstand Hermann Petz ein nahezu geniales Konzept, dessen Wert für das Tiroler Medienhaus er unentwegt betont. Da die große Ehe mit Styria missglückt ist, genießt die Moser Holding die vitaminreiche Frucht der über die Bundesländer verstreuten Gratis-Bezirkswochenblätter, die den Gewinn sowohl von Styria als auch der Moser Holding mehren. Abseits davon ist vielleicht sogar mehr Freiraum für sonstige technische Koalition entstanden, vor allem für den 2011 in Fahrt gekommenen gemeinsamen Zeitungsvertrieb der „Tiroler Tageszeitung“ und der „Tiroler Krone“. Wer sich an die bis zu Gericht reichenden Kriegsgefechte der zwei Zeitungen erinnert, wird die neue Kooperation als Revolution betrachten. „Die Erwartungshaltung hat sich voll bestätigt“, sagt Petz. „Bei solchen Dienstleistungen, die wir gemeinsam machen, geht es nicht um Konkurrenzstellung. Jeder braucht eine gute Zeitungszustellung, und die ist eine der wichtigsten Assets für die nächsten zehn Jahre.“ Er glaubt, dass in Zukunft noch weitere Komponenten im Verlagsservice gemeinsam zu erledigen wären.

Im ORF-Landesstudio Tirol geht am 1. Jänner der Wechsel von Landesdirektor Kurt Rammerstorfer zum neuen Chef Helmut Krieghofer über die Bühne. Er wird mehr noch als seine Vorgänger kritischer Beobachtung ausgesetzt sein, hatte doch seine Nominierung schon im Vorfeld zu öffentlichen Auseinandersetzungen geführt. Krieghofer war zuletzt Chef der Uniqa Tirol. Seine ORF-Erfahrung hat er in den 90er-Jahren im Landesstudio Tirol erworben, danach wurde er Landesgeschäftsführer der ÖVP. Diese Mischung behagt anderen politischen Parteien nicht, und der neue ORF-Landesdirektor wird einige Energie aufzuwenden haben, um Befürchtungen bezüglich der Objektivität der Berichterstattung zu zerstreuen. Unabhängig davon kommt dem Landesstudio in Innsbruck, das Krieghofer gern zu einem regionalen Medienaus entwickeln möchte, eine besondere Stellung zu: Es versorgt auch die Südtiroler jenseits der Staatsgrenze mit Programmen und Informationen aus Österreich.

Engelbert Washietl

ist freier Journalist in Wien.

engelbert.washietl@gmail.com

Erschienen in Ausgabe 12/202012 in der Rubrik „Special Tirol“ auf Seite 106 bis 107 Autor/en: Engelbert Washietl. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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