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Beruf und Medien

Selbst ist die Frau

Von Elisabeth Horvath

Wenn es um Skandalaufdeckung im „Profil“ geht, ist Ulla Schmid an vorderster Front. Gemeinsam mit Michael Nikbakhsh berichtet sie Woche für Woche über den Wirtschaftsskandal der Woche. Dafür gewann sie den ersten Journalistinnenpreis.

Sie ist eine Direkte, eine Toughe, die Klartext redet. Und schreibt. „Ich trage jeden Konflikt aus“, sagt sie mit ihrer tiefen, rauchigen Stimme. „Ich sage, was ich mir denke.“

Ulla Schmid, 45, Redakteurin im Wochenmagazin „Profil“, gibt mit Michael Nikbakhsh, genannt „Nik“, Ressortleiter Wirtschaft, seit der Causa Meinl in der österreichischen Medienszene jenes Couple ab, das Woche für Woche nicht nur gemeinsam Wirtschaftsskandale aufdeckt, sondern zugleich auch detailreich die politischen und wirtschaftspolitischen Zusammenhänge transparent macht. Dies seit ungefähr zwei Jahren. Folgten doch nach bzw. zeitgleich mit Meinl die Fälle Hypo Alpe Adria, Buwog, Eurofighter, Telecom etc. und nun der parlamentarische Skandal-Untersuchungsausschuss.

Die Produktionsweise ist immer die gleiche: Nach Vorbesprechung der beiden wird in der Redaktionssitzung zu Beginn der Woche das Thema festgelegt. Danach folgen getrennte Recherchen mit Zwischendurchkontakten. Und gegen Ende der Woche finden die beiden zum Verfassen des Artikels zusammen. Fand dies früher im Zimmer von Nikbakhsh statt, werken die beiden nun seit der Übersiedlung des „Profils“ in Ulla Schmids Reich. „Ich liebe Teamarbeit“, beteuert Schmid.

Tatsächlich muss Journalisten solch eine Kooperationsarbeit liegen, sonst funktioniert das nicht. Gemeinsam formulieren, wie die beiden das tun, ist nicht jedermanns, nicht jederfrau Sache. Und wie sehr sie das können, beweist dann jedes Mal der Artikel, der sich stilistisch liest wie aus einem Guss gegossen. „Nik kennt meist gut die Vorgeschichte, und ich hinterfrage dann: Was heißt das jetzt konkret? Anders gesagt: Wir profitieren beide davon.“ Dabei sind sie sich im Schreibstil einig, ähnlich aber sind sie sich nicht. Nik habe „den Zug zum Tor“, sie sei „keine Rampensau“, wiewohl „ein Teil von mir dies gerne wäre, ein anderer Teil von mir sich allerdings geniert“.

In diesen Zeiten der Skandalaufdeckung hat sich Ulla Schmid auch daran gewöhnt, geklagt zu werden. Etwa von Michael Kloibmüller, Kabinettschef von Innenministerin Johanna Mikl-Leitner, etwa auf Unterlassung der Aussage, er habe versucht, die Ermittlungen in der Causa Telecom zu behindern. Schmid: „Die hatten wir schon früher erwartet.“ Denn das Ausbleiben der Klage wäre einem Schuldgeständnis gleichgekommen.

Woran sich allerdings ihre Kollegen und Kolleginnen und auch sie nicht gewöhnt haben, ist die Tatsache, dass lediglich ihr Recherche- und Schreibpartner Nikbakhsh bei Rankings ständig Bestnoten bekam. „Viele haben mich darauf angesprochen, sei ich die Sekretärin? Das hat mich geärgert.“ Aber auch Nik sei das „unangenehm“ (Schmid) gewesen.

Abhilfe geschaffen hat jedenfalls das Frauennetzwerk Medien. Erstmals riefen die Vorsitzende der Vereinigung, Regionalmedien-Austria-Chefredakteurin Karin Strobl, und Mitstreiterinnen einen Journalistinnenpreis ins Leben. Nicht zuletzt deshalb, weil bis dato bei solchen Rankings fast ausschließlich Männer geehrt wurden. Und in heimischen Verlagen „fast ausschließlich Männer in den Führungspositionen sitzen“ (Strobl). Am 8. November ging denn auch dieser Journalistinnenpreis in Höhe von 5.000 Euro an Ulla Schmid. Selbst ist die Frau.

Elisabeth Horvath

ist freie Journalistin in Wien.

elihorvath@aon.at

Erschienen in Ausgabe 12/202012 in der Rubrik „Beruf und Medien“ auf Seite 74 bis 74 Autor/en: Elisabeth Horvath. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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