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Auch geistiges Eigentum wird vererbt - Der Österreichische Journalist - medien journalismus zeitung print magazin radio tv online

ARCHIV » 2012 » Ausgabe 02-03/2012 »

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Auch geistiges Eigentum wird vererbt

Von Kurt Tozzer

3 Es hat viele Vorteile, ein Nachfolger zu sein. Vor allem Nachfolger von jemand, der erfolgreich war.

Astrid Lindgren, die schwedische Kinderbuchautorin, war das mit ihrer literarischen Schöpfung Pippi Langstrumpf zweifellos. 145 Millionen Bücher mit den Abenteuern des Mädchens wurden verkauft. Die Urheberrechte brachten Lindgren Jahr für Jahr viel Geld.

Nachdem sie 2002 gestorben ist, kümmert sich die Aktiengesellschaft Saltkråkan darum, dass dieser Geldstrom nicht abreißt. Oft auch durch Prozesse, denn auch Nachahmer wollen mit der seltsam gestylten Pippi, mit ihrer Villa Kunterbunt und mit ihrem Vater, dem König aus Taka-Tuka-Land, Geld verdienen.

Nils Nyman, ein Enkelkind von Astrid Lindgren, kann mit Saltkråkan jährlich 2 Millionen Euro an Lizenzgebühren einnehmen. Den letzten Etappensieg gewann er gegen eine deutsche Supermarktkette, die eine Woche lang Pippi-Langstrumpf-Kostüme verkaufte, ohne vorher um Genehmigung zu ersuchen.

Das Landgericht Köln verurteilte das Unternehmen wegen Verletzung des Urheberrechtes und setzte die (mögliche) Lizenzgebühr für die Nutzung des Pippi-Images mit 50.000 Euro fest. Durch eine Schadenersatzklage müsste dann die tatsächliche Höhe der Entschädigung festgelegt werden.

Einen anderen Streit um geistiges Eigentum hatte das Landgericht München kürzlich zu entscheiden. Dürfen Zitate des bayerischen Komikers Karl Valentin ohne Einwilligung der Erben der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden – vor allem, dürfen sie auf einer Internetseite quasi wie in einem Ramschladen zur freien Entnahme angeboten werden?

Die in München lebende Valentin-Enkelin Anneliese Kühn ließ dem Betreiber der Internet-Zitaten-Seite „Bewegende Worte“, den Hamburger Journalisten Holger Jass, gerichtlich verbieten, den Valentin-Spruch „Mögen hätte ich schon wollen, aber dürfen habe ich mich nicht getraut“ weiterhin zu veröffentlichen. Der Streitwert des Verfahrens liegt bei 10.000 Euro. Alle Einwände von Jass, dass das Zwölf-Worte-Zitat doch nicht schutzfähig sei, wurden mit dem Hinweis, dass es sich um eine „bemerkenswerte Wortakrobatik“ handle, abgewiesen. „Wer geistiges Eigentum ohne Einwilligung des Rechtebesitzers verwendet und nichts bezahlt, ist genau so ein Dieb wie jemand, der silberne Löffel stiehlt“, meint Gunter Fette, der Anwalt der Valentin-Enkelin. Die Konsequenz für den Übeltäter: zumindest die Abgabe einer Unterlassungserklärung und die Bezahlung der Intervention des klagenden Anwalts.

Kurt Tozzer ist freier Journalist in Wien.

tozzer@aon.at

Erschienen in Ausgabe 02+03/202012 in der Rubrik „Rubriken“ auf Seite 14 bis 15 Autor/en: Kurt Tozzer. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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