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Titel

Axel Bogocz deckt auf

Von Interview: Engelbert Washietl

News-Verlagschef Axel Bogocz über die Fälschungsaffäre, seine wichtigsten Baustellen und wie er Österreichs größtem Magazineverlag einen neuen Schwung verleihen möchte.

In wenigen Tagen wird die Auflagenkontrolle ÖAK Zahlen aus dem News-Verlag veröffentlichen, die Neuigkeitswert haben – sie sollen nämlich stimmen. Warum nehmen Sie diese Strapazen auf sich?

Axel Bogocz: Es entspricht meinem Selbstverständnis und auch meiner Auffassung von einer soliden und aufrechten Unternehmensführung. Wir sind Marktführer in vielen Bereichen, in einigen davon haben wir eine Alleinstellung. Da gibt es für uns keine Motivation, die eigentlich schon guten Zahlen zusätzlich zu tunen.

Es muss aber die Motivation gegeben haben, weil Ihrer Aussage nach Auflagenzahlen manipuliert wurden.

Ich kann nicht für die Vergangenheit sprechen, sondern nur für die Gegenwart. Wir haben das entdeckt, abgestellt und aufgeklärt.

Offenbar lässt sich das Geschehene juristisch nicht genau definieren. „Manipulation“ ist nicht etwas, wobei ein Staatsanwalt unruhig werden würde?

Das ist eine Frage, mit der ich mich aktuell nicht beschäftige. Wir bringen Klarheit ins Zahlenwerk, arbeiten die Vergangenheit auf – wir haben uns ja auf einen Zeitraum mit der ÖAK verständigt, nämlich zurück bis auf das zweite Halbjahr 2010, um eine Vergleichbarkeit herzustellen.

Damit ist die Sache erledigt?

Ich kann sagen, was die Schritte auf unserer Seite sind und wie wir damit umgehen. Schritt eins war, es zu entdecken, Schritt zwei, es abzustellen, Schritt drei die Aufklärung und Schritt vier die Information der Öffentlichkeit.

Sie haben bestätigt, dass Verschönerungen um bis zu 30 Prozent vorgenommen worden sind. Jetzt sind die Auflagenzahlen ehrlich und unten. Von da kann es eigentlich nur aufwärtsgehen. Wie nützen Sie die Chance?

Die Zahlen sind nicht unten, sondern bilden die tatsächlichen Marktverhältnisse ab. Aber natürlich haben wir im Verlag eine Vielzahl von Aktivitäten über das Jahr 2012 geplant. Sie betreffen die Weiterarbeit an der Positionierung von „News“: Da haben wir einen optischen Relaunch hingelegt, nach der Außenfassade kommt die interne Arbeit dran. Ein großer Schwerpunkt wird das Feld Wirtschaftsinformation sein, da haben wir mit „Trend“ und „Format“ zwei Titel im Rennen. Das wollen wir im Onlinegeschäft stärker nutzen. Generell brauchen wir digital mehr Tempo.

Sie sagen, jetzt kommt interne Arbeit an „News“. Was heißt das? Geht es um die Positionierung von „News“?

Auch die General-Interest-Magazine in Deutschland kommen aus einer Tradition der großen Themenvielfalt – die oft beschriebene Wundertüte. Demzufolge gibt es auch eine Vielzahl von Dingen, die journalistisch abgedeckt werden müssen. Andererseits haben wir eine wachsende Fragmentierung des Marktes, es gibt immer speziellere Interessen von Menschen, die sie auch in ihrer Magazin- oder Themenauswahl bedient sehen wollen. Da muss der Verlag eine Antwort formulieren. Also konkret: Welche Aufgabe hat „News“, welche Aufgabe hat es vielleicht einmal gehabt, aber ist das noch die Aufgabe von heute? Und wenn nicht, wie könnte die Aufgabe in Zukunft lauten?

Fertige Antworten haben Sie nicht?

Es wäre anmaßend, wenn ich daherkomme und behaupte, ich hätte die Antwort für den Printmarkt generell und für den österreichischen Markt speziell. Das ist ein Prozess, dem muss man sich mit den Chefredakteuren gemeinsam stellen. Marktforschung ist ein unterstützendes Instrument, das ich in der Vergangenheit eingesetzt habe. Sie liefert keine ausschließliche Wahrheit, ist aber ein richtungsweisender Ratgeber. Wenn Sie wie ich aus leserorientierten Märkten kommen, müssen Sie ganz nah am Leser sein und um seine Lebenswelten Bescheid wissen.

Man könnte aus der Fälschungsaffäre die Lehre ziehen, dass die dafür Verantwortlichen den Eindruck hatten, das Publikum sei nicht mehr so recht dabei, also müsse man wenigstens die Auflagenzahlen geradebiegen?

Ich kann Ihnen überhaupt nichts über die Motivation dieser Leute sagen.

Es könnte Sie aber interessieren.

Nein, es interessiert mich überhaupt nicht. Erstens bin ich kein Geschichtsforscher, und zweitens würde mich das überhaupt nicht weiterbringen, sondern in meinem Denken und meiner Zeit, die mir hier zur Verfügung steht, behindern.

Also gibt’s auch keine Strafe oder Sanktionen.

Wir haben bei unserer Überprüfung auch diesen Themenkomplex einbezogen. Gehen Sie davon aus, dass wir hier ebenfalls schnell und richtig gehandelt haben. Bitte haben Sie aber Verständnis dafür, dass wir über Einzelpersonen oder Konsequenzen auch aus rechtlichen Gründen nicht öffentlich sprechen.

Das Angebot von „News“ ist breit gefächert. Es gibt darin einen großen Lesestoff für Herz und Gemüt und einen anderen, der eigentlich knallhart sein soll. Bei Ihren Vorgängern waren manchmal Schwankungen zu beobachten, indem sie danach fragten, wo sie das Schwergewicht setzen sollten. Sind Sie mehr beim Herz oder mehr beim kühlen Verstand?

Nachdem der Titel als „general interest“ positioniert ist, heißt es, die generellen Interessen der Menschen abzudecken. Die Menschen sind nicht so klar strukturiert, dass sie sich entweder für die leichten Dinge des Lebens interessieren oder andererseits für Politik, Wirtschaft etc. Die Funktion von „News“ besteht darin, all die Dinge abzudecken, über die die Menschen in diesem Land sprechen. Das reicht eben von der Innenpolitik bis zu Society-Themen. Beides muss mit großer Qualität dargeboten werden und dem Anspruch des Marktführers dienen, auch Qualitätsführer zu sein.

Zwischen dem Flaggschiff „News“ und der Cashcow „Woman“ gibt es eine Reihe von Produkten, die einzelne Zielgruppen bedienen. Mit den zwei genannten Titeln zusammen sind es 15. Jetzt könnte man argumentieren, es sollten noch um ein paar mehr sein, genauso gut aber sagen, es könnten weniger sein und niemandem würde etwas fehlen. Was rechnen Sie, wenn Sie in zwei Jahren noch da sein werden – wird es mehr oder weniger geben?

Punkt eins, ich rechne fest damit, dass ich in zwei Jahren noch da bin …

Nach den letzten Erfahrungen können wir das bloß hoffen.

Das wäre nett. Aber zu Ihrer Frage. Kann man Medien mathematisch festlegen und sagen, heute mache ich 15, morgen 13? Wenn Sie wollen, antworte ich salomonisch von der Interessenssituation her. Wir machen das, wofür wir in der Öffentlichkeit ein Interesse feststellen, also wo Menschen an Medien interessiert sind. Der zweite Punkt ist der unternehmerische: rechnet sich das für uns? Ein Zuschussgeschäft oder eine Liebhaberei, bei der mit großem Aufwand ein paar 10.000 Euro im Jahr übrigbleiben, werden wir nicht machen. Heute reden wir im Fundament von 15 Magazinen und wir sind damit als Verlagsgruppe eher printlastig. Wir müssen das aber als gute Basis betrachten, von der sich Dinge ableiten lassen, die für die Zukunft ebenfalls relevant sind.

Wenn Sie also eine neue Aufgabe entdecken, könnte es auch ein zusätzliches Produkt geben. Aber das steht offenbar nicht im Mittelpunkt Ihrer Überlegungen?

Im Mittelpunkt der Überlegungen steht, die Position des Marktführers zu bewahren und auszubauen. Das bezieht sich auf den Printmarkt und auch auf das digitale Geschäft, in dem Marktanteile zu gewinnen sind. Digital gab es in vergangenen Jahren eine gute Ausgangsposition, doch sind wir mittlerweile nicht mehr Marktführer. Der Markt wächst und wir stagnieren. Da müssen wir eine Position zurückerobern.

Der News-Verlag hat nicht nur an Auflagen und Reichweiten verloren, auch der Gewinn ist im vorigen Jahr eingebrochen. Das wäre samt der allgemeinen Wirtschaftskrise ja auch ein Grund, um irgendein Produkt über Bord zu werfen, das zu wenig einspielt?

Könnte man machen, wenn man der Theorie folgen wollte, dass eines dieser Objekte keinen Gewinn macht.

Aber?

Das ist nicht der Fall. Jedes dieser Produkte ist in der Gewinnzone. In Summe ist das Er
gebnis 2011 geringer gewesen, dafür gab es vielfältige Gründe. Wir haben in den Relaunch von „News“ investiert, in Marketingmaßnahmen, in das zehnjährige Jubiläum von „Woman“. Die Folge dieser Investitionen war natürlich, dass auch das Ergebnis belastet wurde. Und das war im letzten Jahr der Fall. Das muss man auch mit dem Rekordergebnis im Jahr davor vergleichen. Wenn ich das langfristig sehe, dann ist das ein Ausreißer, aber kein großer.

News-Manager rühmten immer, dass der österreichische Verlag im Reich des deutschen Mehrheitseigentümers Gruner + Jahr sehr gut dastehe.

Das ist noch immer der Fall. Es wird immer mittelfristig Investitionsphasen geben, dann ist das Ergebnis nicht ganz so gut. Aber dieses Investment ist die Grundlage dafür, dass langfristig hohe Ergebnisniveaus gehalten werden können.

Engelbert Washietl ist freier Journalist in Wien.

engelbert.washietl@gmail.com

Erschienen in Ausgabe 02+03/202012 in der Rubrik „Titel“ auf Seite 36 bis 39 Autor/en: Interview: Engelbert Washietl. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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