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Der Stil der Stille im Gemischtmedienhandel - Der Österreichische Journalist - medien journalismus zeitung print magazin radio tv online

ARCHIV » 2012 » Ausgabe 02-03/2012 »

Beruf und Medien

Der Stil der Stille im Gemischtmedienhandel

Von Interview: Peter Plaikner

Erst Wolfgang Pütz als ServusTV-Chef und Horst Pirker als CEO des Red Bull Media House gaben der Medienabteilung von Dietrich Mateschitz zwei Gesichter neben dem Inbegriff der Lifestyle-Brause. Seit dem Abgang des Fernsehmachers und des Konzernstrategen werken die Drahtzieher des Imperiums wieder vorzugsweise anonym.

So schnell, wie Geschäftsführer Martin Blank als interimsmäßiger Programmdirektor eingesetzt war, wurde zum Nachfolger von Horst Pirker Geschäftsführer Christopher Reindl bestellt. Interview-Anfragen beantwortet aber nicht sein Büro, sondern Tina Deutner, „Assistant to Dietrich Mateschitz“ und laut Auskunft an der von ihr angegebenen Telefonnummer „nur per E-Mail zu erreichen“. Da heißt es dann: „Bedauerlicherweise ist ein solches Interview nicht möglich. Wie Sie als langjähriger Beobachter unseres Hauses wissen, bemühen wir uns sehr darum, die Ergebnisse unserer Arbeit für sich sprechen zu lassen und somit in den Vordergrund zu stellen – die Personen, die im Hintergrund an unseren Projekten arbeiten, bleiben lieber im Hintergrund.“

Stattdessen präsentiert die Website das Portfolio von „Seitenblicke“ bis Red Bull Records bzw. in den Kategorien TV, Mobile, Print, Digital und Music. Das im Herbst 2009 gestartete ServusTV ist demnach ein Angebot für fast 13 Millionen Wohnzimmer. Es hat in Österreich 86, in der Schweiz 23 Prozent technische Reichweite sowie ein Empfangspotenzial von einem Viertel aller deutschen Haushalte: Dazu kommt noch Red Bull TV – als Programmfenster und als Web TV.

Unter „Mobile“ übt sich der Konzern als Mobilfunkanbieter – in Österreich aufgrund einer Kooperation mit A1. „Digital“ beherbergt schon mehr als 900 Domains in 36 Sprachen sowie Computer-Spiele und Applikationen für PC, Notebooks, Tablets und Smartphones. „Music“ bezeichnet neben einem Musikverlag auch einen Radioservice mit allem aus der World Of Red Bull. „Print“ umfasst zwar auch Titel wie „Seitenblicke“, „Speedweek“ oder das Weltuntergangsheft „2012“, die populärsten Titel tragen aber auch hier die gewohnten Familiennamen; „Red Bulletin“ und „Servus in Stadt und Land“.

So gegensätzlich diese Magazine anmuten, so widersprüchlich sind manche Angaben dazu: Mehr als drei Millionen Auflage verheißt der Homepage-Begleittext zum 2005 noch als Formel-1-Begleiter gegründeten „Red Bulletin“, das seit 2007 auf Massenpublikum setzt. Wer allerdings die Angaben zu den elf magenta gefärbten Staaten in vier Kontinenten addiert, kommt sogar auf knapp 4,6 Millionen Exemplare, die in vier Sprachen von der „FAZ“ bis zur „Kleinen Zeitung“, von der „Chicago Tribune“ bis zum „Houston Chronicle“ überwiegend Tageszeitungen beiliegen. Neuerdings machen offenbar die Vereinigten Emirate das Dutzend voll, doch das zeigt nur ein Download der Mediadaten, der wiederum von 3,8 Millionen Gesamtauflage spricht – für eine „Kernzielgruppe 20 bis 29“.

Das trifft sich gut. Denn das Ende 2010 gestartete „Servus in Stadt und Land“ richtet sich – vorerst in Österreich – an „eine gut situierte, vor allem weibliche Zielgruppe zwischen 35 und 59 Jahren, die Wert auf Authentizität, Natürlichkeit und Regionalität legt“. Dieses bisher offensichtlich vernachlässigte Leserinnensegment wird immerhin schon mit monatlich 170.000 Exemplaren Druckauflage bedient. Andreas Kornhofer, der Kopf hinter der dicken Hochglanzzeitschrift, kennt sein Publikum u. a. aus seiner Zeit in den Chefredaktionen von „Heute“ und „Täglich Alles“. Das Vorbild des deutschen Magazin-Aufsteigers „Landlust“ ist aber zumindest in Sachen Zielpublikum unverkennbar. Die bringt es nach sechs Jahren aber schon auf 1,15 Millionen Stück Druckauflage, von denen fast 900.000 verkauft werden.

Verkauf wirkt bisher nicht als Stärke der Produkte aus dem Red Bull Media House. Eine Seite Werbung im „Red Bulletin“ für Österreich ist um 35.000 Euro zu haben, während sie für die USA nur 33.000 Euro kostet, obwohl die Auflage dort um 400.000 Hefte höher liegt. Aber das erscheint zweitrangig neben der Hauptaufgabe zumindest jener Produkte, die den roten Bullen auch namentlich unterstützen: Marketing für Österreich wertvollste Marke. Zwischen 9 Milliarden Dollar und 13 Milliarden Euro liegen die Schätzungen für die „Brand“ Red Bull, das als Unternehmen knapp 4 Milliarden Euro Jahresumsatz macht. Auf lediglich rund 200 Millionen Euro schätzt dagegen „Standard“-Medienredakteur Harald Fidler den Etat des Media House. Damit wäre es zwar in einer Reihung der österreichischen Medienunternehmen hinter ORF, Mediaprint, Styria und Moser Holding schon die Nummer 5, aber als 20stel seines Mutterhauses nur ein kleiner Fisch im eigenen Teich. Dessen größte Medieninsel ist längst die Social-Web-Repräsentanz: Mit zuletzt 26,5 Millionen „Gefällt mir“ rangiert Red Bull auf Facebook global bereits unter den Top-5-Brands. Die Nummer 1, Coca-Cola, ist durchaus schon in Reichweite. Horst Pirkers Abschiedseinschätzung erhält von „Like“ zu „Like“ mehr Nahrung: „Red Bull spielt in der Liga von Apple, Google & Co. und hat ein unfassbares Potenzial.“

Peter Plaikner ist Medienberater, Politikanalyst und Publizist mit Standorten in Wien, Innsbruck und Klagenfurt.

pp@plaikner.at

Erschienen in Ausgabe 02+03/202012 in der Rubrik „Beruf und Medien“ auf Seite 60 bis 61 Autor/en: Interview: Peter Plaikner. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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