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ARCHIV » 2012 » Ausgabe 02-03/2012 »

Beruf und Medien

Die Welt von ServusTV

Von Interview: Peter Plaikner

Zwischen den fetten Info-Karpfen des ORF und den wendigen News-Hechten von ATV und Puls 4 wirkt das Journal auf ServusTV wie ein Goldfisch im Nachrichtenteich. Doch im Schatten der großen Außenkonkurrenz und im Schlepptau des Red Bull Media House übt ein junges Team unter routinierter Leitung den Spagat zwischen öffentlich-rechtlicher Zielgruppenanmutung und privatwirtschaftlicher Produktionsphilosophie.

„Diese Polarisierung zwischen öffentlich-rechtlichem und privatem Fernsehen ist Unsinn. Das Publikum unterscheidet nicht nach solchen Kategorien“, verrückt Jörg Harzem, der Bereichsleiter Info & Aktuelles von ServusTV, schon zu Beginn des Gesprächs die gängige Erwartungshaltung an seinen Sender. Denn das Heimat-Hobby von Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz gilt gemeinhin schon als der bessere Medien-Öffi. 50 Millionen Euro Jahresetat werden hinter dem Programm vermutet, 0,7 Prozent Marktanteil hat es 2011 erreicht. In Österreich, das aber nur einen Teil der Parallel-Welt von ServusTV zur World Of Red Bull darstellt. Denn dieses Zielgruppen-Biotop wird offiziell als Alpen-Donau-Adria-Raum definiert, während Harzem es als „die deutschsprachige Region mit der Grußformel Servus“ versteht. Wobei der Deutsche besonderen Wert darauf legt, Deutschland hier nicht als Vorbild darzustellen. Das zählt ebenso zu den ungeschriebenen Prinzipien des Hauses wie die Regel: „Bei uns gibt es keinen Trash, wo die Protagonisten vorgeführt werden.“

Dies unterscheidet das Programm insgesamt nicht nur von nahezu allen privaten TV-Anbietern, sondern auch vom ORF, der mit Barbara Karlich die Nische der öffentlichen Selbstentblößung bedient. Schon gelten „Terra Mater“ und „Talk im Hangar 7“ als die besseren Doku- und Talk-Reihen als „Universum“ und „Im Zentrum“. Von solch Renommee ist das „Servus Journal“ zwar noch weit entfernt, aber es entwickelt seit September 2010 von Montag bis Freitag von 18.00 bis 18.20 Uhr seinen eigenen Stil neben der „Zeit im Bild“-Armada des ORF sowie „ATV aktuell“ und den „Puls 4 Austria News“. Jörg Harzem, der davor beim Westdeutschen Rundfunk, bei RTL in Köln sowie schließlich als Gesamtchefredakteur beim Nachrichtensender N24 der ProSiebenSat.1-Gruppe in Berlin beschäftigt war, sieht drei Grundpfeiler dieses Anspruchs seiner Arbeit in Salzburg: „1. Nicht nur Probleme abbilden, sondern auch Lösungen anbieten. 2. Möglichst alle Regionen berücksichtigen, nicht auf Wien konzentrieren. 3. Tradition und Brauchtum, das sonst vernachlässigt wird, pflegen – Motto: das Echte und Wahre.“ Daraus ergibt sich zwangsläufig eine eigene Gewichtung, in der es kein Nachrichten-Primat der Innenpolitik mehr gibt. Möglichst abseits vom Pressekonferenzen-Journalismus soll das Erklärfernsehen möglichst bis zur vergleichenden Faktendarstellung getrieben werden.

Red Bull und ServusTV wie Spiegel TV und RTL

Dafür sorgt ein kleines, junges Team mit 14 Redakteuren, zwei Moderatoren, einem Chef vom Dienst und Planer sowie dem Abteilungsleiter. Der 55-Jährige, der sich seit 1996 auch als Dozent und Seminarleiter in der journalistischen Aus- und Fortbildung engagiert, sagt: „Jung war nicht das Ziel für die Auswahl bei den Bewerbungsgesprächen. Aber selber drehen und schneiden können sollten die Kandidaten. Da hat sich keiner aus der Generation 50+ beworben“, lässt er Kritik an der technischen Kompetenz seiner Kollegengeneration anklingen. Auf Nachfrage präzisiert er das pointiert: „TV-Redakteure sind die einzigen Künstler, die das eigene Handwerk nicht beherrschen.“ Damit meint er explizit nicht die aus dem einstigen Salzburg TV entstandene Redaktion, die nun in unscheinbaren Studios in einem unscheinbaren Gebäude inmitten einer Einkaufsmeile residiert. Die Technik ist vom Feinsten, Zurschaustellung gehört nicht zum Programm. Hinter der World Of Red Bull ist ein spektakuläreres Auftreten vermutbar. Harzem sieht trotzdem kein Problem in den verschiedenen Image-Aufladungen: „Red Bull ist für ServusTV wie Spiegel TV für RTL“, sagt der Mann, der sowohl bei Deutschlands zweitgrößter öffentlich-rechtlicher Anstalt – dem ARD-Zugpferd WDR, als auch den beiden maßgeblichen Privat-TV-Gruppen tätig war.

Ungeachtet seiner durchaus schmalen Personalstruktur wird auch der Info-Bereich immer wieder damit konfrontiert, dass ServusTV seine Qualität ausschließlich der kontinuierlichen Investitionsbrause seines Eigentümers zu verdanken habe. Harzem, der bei seinen Mitarbeitern zwar die Qualifikation zum Videojockey voraussetzt, komplette VJ-Beiträge aber erst als Zukunftsmusik empfindet, widerspricht zumindest teilweise: „Geld wird auch hier nicht mit der Gießkanne ausgeschüttet. Ich glaube, gutes Fernsehen ist mehr eine Frage von Gehirnschmalz“, streut er seinem Arbeitgeber Rosen: „Als Privatsender mit Niveau und Anspruch sind wir weltweit einzigartig.“ Um diesen Gesamteindruck auch auf das Informationsangebot auszubauen, arbeitet die Salzburger Zentralredaktion schon jetzt quer durch Österreich mit Auftragsproduzenten vor Ort zusammen: Das nächste organisatorische Ziel sind für ihn kleine Korrespondentenbüros in den Bundesländern: „Die Leute dort brauchen keine VJs zu sein, müssen aber schon auch den Dreh und den Schnitt bewältigen.“ Klassische VJ-Beiträge empfindet er bisher als ungeeignet für News-Sendungen wie das „Servus Journal“. Nur einzelne Teile davon könnten beibehalten werden.

Statt größere Zwerge den Riesen im Visier

Intelligente Programmmache und die Finanzierung durch das Red Bull Media House vorausgesetzt, steuert der David unter Österreichs TV-Nachrichtenmagazinen eher in Richtung inhaltlicher Qualität statt auf technisch-organisatorischem Sparkurs: „Weg vom Agenturdeutsch, keine PK-Schwenks in der Bildauswahl – Leichtigkeit, Schmunzeln, Emotionen“, sind für Jörg Harzem zusätzliche Schwerpunkte der Stilfindung von „Servus Journal“. Als wichtigste Benchmark dafür dienen aber nicht die Angebote der privaten Senderkonkurrenz ATV und Puls 4, sondern die „ZIB“ des ORF. Der Goliath ist schon im Visier. Allfällige Größenwahn-Vermutungen des Marktanteil-Zwerges gegenüber dem Reichweiten-Riesen hat Harzem schon zu Gesprächsbeginn weggewischt: Mit „Quote entsteht aus der Qualität“ verweist er auf andere Vergleichskriterien im Wettbewerb der Fernsehsender. Das hat der ORF zuletzt vor 20 Jahren gewagt, bevor Gerhard Zeiler die öffentlich-rechtliche Anstalt in Richtung jener Quote orientierte, die er dann dem Privatsender RTL gesichert hat.

Peter Plaikner ist Medienberater, Politikanalyst und Publizist mit Standorten in Wien, Innsbruck und Klagenfurt.

pp@plaikner.at

Erschienen in Ausgabe 02+03/202012 in der Rubrik „Beruf und Medien“ auf Seite 58 bis 59 Autor/en: Interview: Peter Plaikner. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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