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„Ein Irokesenschnitt wäre mit der Stylistin zu besprechen“ - Der Österreichische Journalist - medien journalismus zeitung print magazin radio tv online

ARCHIV » 2012 » Ausgabe 02-03/2012 »

Beruf und Medien

„Ein Irokesenschnitt wäre mit der Stylistin zu besprechen“

Von Elisabeth Horvath

Manchmal jugendlich-locker, manchmal polyglott, manchmal elegant-professionell: Je nach persönlichem Typus und dem Sendungsformat werden die ORF-Nachrichtenmoderatoren gestylt. Seit der neuen HD-Technik müssen sie etwas dezenter geschminkt werden.

Wenn Christa Kummer um 19.49 Uhr in giftgrünen Stiefelstilettos ihren Auftritt am ORF-Bildschirm hat, könnte man glauben, man ist im falschen Programm. Warum so hyperfarbig-sexy beschuht? Wenn die Moderatorin uns „bloß“ die Wetternachrichten für morgen präsentiert? Soll das Styling nicht rollendeckend sein? Oder soll Frau Kummer bei Schlechtwetter die Stimmung im TV-Publikum heben? Oder davon ablenken? Denn das tut so ein knalliges Fußwerkzeug.

Ja gut, manchmal trägt sie auch violettfarbene Stiefel oder ganz normale schwarze Pumps – doch fast immer im hohen Stiletto-Stil. Als würde sie gleich nachher auf ein Clubbing gehen. Oder im stark figurbetonten Anthrazitgrauen mit Ausschnitt in die „Kammerspiele“. Was sie gar nicht dürfte. Denn sämtliches Outfit, mit dem die Moderatoren am Bildschirm erscheinen, nennt die oberste ORF-Stylistin Ariane Rhomberg, 38, eine „Dienstkleidung“, für die jede einzelne bzw. jeder einzelne einen eigenen Kleiderschrank am Küniglberg hat. Sie tragen nämlich nie Eigenes.

„Wir richten uns nach dem Typ, nach der Figur, nach dem Sendungsformat, nach der Dekoration etc.“, erläutert die ORF-Modechefin. „Frau Kummer kann gut gehen. Man sieht sie als Ganzes. Also warum nicht grüne oder violette Stiefel?“ Christa Kummer liebt offenbar Gewagtes. Denn aufgezwungen wird niemandem etwas. Rhomberg: „Es wird prinzipiell alles abgesprochen. Die Leute müssen sich wohlfühlen. Ich berate und schlage vor. Manchmal kaufe ich auch spontan ein Kleid in der Stadt, wenn ich mir jemanden Bestimmten darin gut vorstellen kann.“

Den professionellen Blick dafür hat die gebürtige Vorarlbergerin Ariane Rhomberg allemal. Immerhin absolvierte sie die Modeschule Hetzendorf. Als Nachfolgerin von Burgi Schneider-Manns-Au kümmerte sich Rhomberg von 1995 bis 2001 schon um den Look der ORF-Moderatoren on screen. Danach war sie als Gesellschafterin des Österreichischen Instituts für Mode und Trendentwicklung tätig, entwickelte Farbkarten und half Einzelpersonen bei der Suche nach ihrem eigenen Stil. Unter anderem leitete sie auch das Moderessort für „Maxima“. Und seit April 2007 ist sie wieder oben am Küniglberg.

Schwieriger, als Einzelpersonen einzukleiden, ist das Finden des richtigen Outfits für ein Moderatoren-Paar. Paradebeispiel: „Zeit im Bild“ um 19.30 Uhr. Mann und Frau sollen stylisch und farblich aufeinander abgestimmt sein. Und beide sollen dem Sendeformat entsprechend wirken. „Es soll ein schönes Bild geben“ (Rhomberg). Und sie sollen professionell daherkommen. Wie etwa Hannelore Veit & Eugen Freund. Besonders sie trägt neuerdings sehr ansprechendes und dabei abwechslungsreiches Outfit. Manchmal ist es modisch-elegant, manchmal sportlich-elegant, immer gute Qualität, eher wenig bis keinen Schmuck.

Eugen Freund wiederum, der gesetzte, erfahrene Journalist, ein schlanker Typ, passt optisch gut zu ihr, wenngleich es manchmal den Anschein hat, als würde er auf Kleidung nicht besonderen Wert legen. Ausnahme: der V-Pullover aus Strick. Aber vielleicht ist das Absicht. Entweder weil er sich nur so wohlfühlt oder weil man seinen soignierten, aber polyglotten Journalistentypus bewusst herausstellen will.

Jedenfalls sei die Bekleidung der Männer „um nichts einfacher“ (Rhomberg). Da gehe es um die Hemd/Krawatten-Kombination, um das Anzugmuster und den Anzugstil. Tarek Leitner etwa trägt gerne Dreiteiler. Während sich Armin Wolf fallweise auch in Jeans mit Sakko gefällt – der letzte Schrei der späten 68er-Jahre. Und aus dem Hosenschnitt mit den nach unten verengten Beinen, den man sieht, wenn er „seine“ Sendung knapp vor Beginn ankündigt, ist er eigentlich auch schon ein wenig herausgewachsen.

Meist ganz anders wieder der jugendliche Roman Rafreider. Er tritt oft im Nadelstreif oder dunklen Anzug auf. Mit manchmal sehr tailliertem Sakko. Für den Anlass der „ZIB 20“ auf ORFeins, dem „jugendlichen ORF-Sender“, vielleicht ein bisschen zu elegant. Oder will er den Typ „jugendlicher Banker“ darstellen?

Lisa Gadenstätter hingegen, Rafreiders direkte Kollegin, ist meist geradezu perfekt auf die Nachrichtensendung „ZIB 20“ zugeschnitten: Junge, gut aussehende, dunkelhaarige selbstbewusste Frau, manchmal im modernen Rock und anmutigen Jäckchen, manchmal im gemusterten Kleid à la aktueller Frühjahrsmode, manchmal im klassischen dunklen Anzug, immer professionell, nie in schreienden Farben, dem Format ORFeins-Nachrichten bestens entsprechend. Mit einem Schönheitsfehler: Bis vor einiger Zeit war sie hin und wieder geschminkt wie „der Joker in Batman“, bedauerte einer ihrer Bewunderer aus dem Fernsehpublikum, der sie besonders hübsch findet.

Da überschminkte Gesichter bei den Nachrichten-Moderatorinnen und -Moderatoren in letzter Zeit allerdings nicht mehr vorkommen, ist anzunehmen, dass der Grund wohl in der neuen Technik liegt. Denn seit der Einführung von HD (High Definition) muss die Maske eine Spur zurückgenommen werden, HD-tauglich sein gewissermaßen. Leuchtet doch die Kamera das Gesicht viel direkter aus als zuvor. Das einfache Tages-Make-up freilich würde auch nicht reichen. Das „wäre wieder zu unauffällig“, erklärt Martina Stadler, Stellvertreterin des Leiters der Abteilung Ausstattung, Wolfgang Schwetz. „Das würde von der Kamera geschluckt.“

Ebenfalls grundsätzlich besprochen mit den ORF-Personen vor der Kamera wird deren Frisur. Die Wahl Haarschnitt und Haarfarbe treffen die Moderatoren selbst. Dafür haben sie ihre Friseure des Vertrauens. Die Zuständigen in der Ausstattung machen dann nur die Frisur vor der Sendung, stecken Haare hoch oder nach rückwärts etc. Voraussetzung dabei ist, dass die Nachrichtensprecher oder Diskussionsmoderatoren nicht von heute auf morgen ihren Typ verändern. Um die Moderatoren auch als Marke zu positionieren, sollen Haarlänge und Haarfarbe jedenfalls für eine längere Zeit unverändert bleiben. „Einen Irokesenschnitt müssten sie mit Frau Rhomberg besprechen“, lacht Martina Stadler. „Radikale Veränderungen sind bis jetzt nicht vorgekommen. Die Leute wollen ja auch selbst, dass sie erkannt werden.“

Was generell im Vergleich zu den Öffentlich-Rechtlichen in Deutschland etwa auffällt, ist ein gewisser Unterschied im Styling von Professionalität. Besonders was die Frauen angeht. Während ORF-Moderatorinnen mit ihrem Outfit ab und zu auch etwas Lockeres, Lässigeres bis hin zu fallweise einem Schuss Sex ausdrücken, halten sich die deutschen Kolleginnen eher an strenge Linien: Modisch, modern, elegant, zurückhaltend, zumeist im besten Tuch oder Strick. Nur die Modefarben lassen sie spielen. Aber auch diese dezent in der Tönung.

So etwa trug Anne Will unlängst in ihrer Diskussionssendung einen bestgeschnittenen dunkelblauen Hosenanzug mit einem modisch türkis-dunkelblau gestreiften Top, der ihren Typ, bestechend professionelle Journalistin mit Selbstbewusstsein, perfekt zur Geltung brachte. Oder die Wetternachrichten-Sprecherin auf ARD, Claudia Kleinert. Hochgewachsen, sportlich, mit langem blonden Haar, zumeist in Hosen mit hochgeschlossenem Top oder Pullover. Sie wirkt niemals sexy, aber professionell mit einem Schuss Erotik.

Ariane Rhomberg hat „mit Ausschnitten kein Problem“. Auch nicht bei Nachrichten-Moderatorinnen. „Natürlich nicht ein tiefes Dekolleté, aber schon zeigen, dass es eine Frau ist. Der ORF hat gute, attraktive Frauen.“

Elisabeth Horvath ist freie Journalistin in Wien.

elihorvath@aon.at

Erschienen in Ausgabe 02+03/202012 in der Rubrik „Beruf und Medien“ auf Seite 72 bis 75 Autor/en: Elisabeth Horvath. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an
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