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McCarthy-Ära in der Türkei - Der Österreichische Journalist - medien journalismus zeitung print magazin radio tv online

ARCHIV » 2012 » Ausgabe 02-03/2012 »

Beruf und Medien

McCarthy-Ära in der Türkei

„Das Ganze riecht nach McCarthyismus.“ Der Chef des austro-türkischen Neue Welt Verlags, Birol Kilic, ist besorgt über die Inhaftierungswelle von Journalisten in seiner früheren Heimat. In der Türkei sind die meisten inhaftierten Journalisten aufgrund der Anti-Terror- oder der Strafgesetze angeklagt. So auch die Enthüllungsjournalisten Ahmet Sik und Nedim Sener. „Die beiden haben mit Kriminalität nichts zu tun, sondern sind, nicht käufliche‘, vorbildliche Top-Journalisten“, betont Kilic. Die McCarthy-Ära bedeutete Gesinnungskontrolle; Personen wurden mit unzureichenden Anschuldigungen und unfairen Ermittlungsmethoden zum Schweigen oder in Verruf gebracht.

Der Herausgeber von „Yeni Vatan Gazetesi“ („Neue Heimat Zeitung“) und „Einspruch“ erhebt entschieden Einspruch. Über heikle Themen wie Terrorismus und Attentate gegen die Regierung zu schreiben, bedeute in der Türkei sogleich, dass diese Aktivitäten von diesen Journalisten auch unterstützt werden. Die Journalisten würden deshalb auch in Hochsicherheitsgefängnissen festgehalten. „Dieses Gesetz ist gefährlich für die Pressefreiheit und die Demokratisierung in der Türkei“, denn es bedrohe die investigativen Journalisten, sagt Kilic, der auch dem Vorstand des Verbands der Auslandspresse angehört.

Für den Medienmacher mit türkischen Wurzeln ist die Situation unannehmbar: „Eine Schande für die moderne Türkei im Jahr 2012.“ Er fordert die regierende AKP dringend zu Gesetzesänderungen auf. In Erinnerung an das alte türkische Sprichwort „Körler, sagirlar birbirini agirlar“ (in etwa: „Der Lahme stützt den Blinden“) betont er, die Türkei schade sich selbst mit so viel „Blindheit“. Zugleich appelliert Kilic an die AKP, „die Pressefreiheit zu achten und die inhaftierten Journalisten, die nur ihre Arbeit machen, freizulassen“. Auch gelte es, die Gewaltenteilung zu respektieren und nicht die Vierte Macht im Staat mittels Anti-Terror-Gesetz hinter Gitter zu bringen.

Der Chefredakteur des Österreich-Ablegers der Zeitung „Zaman“, Seyit Arslan, wollte zur Lage der Journalisten in seiner Heimat nicht Stellung nehmen. „Ich gebe keinen Kommentar ab.“ Der einflussreiche türkische „Zaman“-Konzern steht der AKP-Regierung nahe.

Erschienen in Ausgabe 02+03/202012 in der Rubrik „Beruf und Medien“ auf Seite 78 bis 79. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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