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Beruf und Medien

Nikos Gegenspielerin

Von Elisabeth Horvath

Unkonventionell, beharrlich, unabhängig: Ob „SN“-Redakteurin Alexandra Parragh mit diesen Stärken ins Büro-Umfeld des ORF-Generaldirektors Alexander Wrabetz gepasst hätte?

Sie war eine der Ersten, wahrscheinlich sogar die Erste, die sich Silvester 2011 um den Job des Büroleiters von ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz beworben hat. Um Niko Pelinka auszustechen. „Weiblich, erfahren, unabhängig“, so der Titel ihrer Bewerbung.

Und genau das passt ins Bild der Alexandra Parragh. Sie sprüht vor Ideen und eröffnet stets auch unkonventionelle Zugänge zu Themen. „Sie wählt oft journalistische Blickwinkel“, sagt Andreas Koller, Leiter der Wien-Redaktion der „Salzburger Nachrichten“ und Chefredakteur-Vize, „die völlig neu sind und daher zu neuen Erkenntnissen führen.“

Dazu kommt eine Beharrlichkeit in ihren Recherchen, die sich nicht nur in ihren Storys niederschlägt. Ihre Stärke ist das Nachfragen. Sodass ihre Gegenüber inzwischen wissen, dass sich eine Alexandra Parragh mit ersten Antworten nicht zufriedengibt. Sie bohrt nach und entwickelt dabei einen Tiefgang, der so manchem Gesprächspartner zusetzt. Besonders wenn die Themen heikel sind. „Dieses permanente Lügen, dieses nur den eigenen Vorteil suchen, statt zuzugeben, einen Fehler gemacht zu haben“, das versetzt die „SN“-Redakteurin jedes Mal noch immer in Erstaunen.

Alexandra Parragh, 33, ist eine Späteinsteigerin. Nach der Matura studierte sie Jus und schloß 2005 mit der Magistra ab. Fünf Jahre lang war sie zudem bei dem bekannten Rechtsanwalt Gabriel Lansky tätig. Doch Jus allein, das war ihr zu wenig. Also begann sie an der Fachhochschule Journalismus zu studieren, werkte nebstbei beim „Kurier“ und bewarb sich 2006 in den „Salzburger Nachrichten“ um ein Volontariat. Dort machte sie ihre Arbeit so gut, dass man ihr 2007 einen Pauschalvertrag anbot. Ein Jahr später folgte die Anstellung im Ressort Innenpolitik. Und in der Zwischenzeit haben sich auch ihre Hauptthemen herauskristallisiert: Bildung, Internet, Medien (ORF), Datenschutz, Freiheitsrechte.

Dabei hat Alexandra Parragh den Weg in den Journalismus gar nicht konkret angestrebt. Wie so viele andere auch wusste sie in ihren 20ern „lange nicht, dass ich Journalistin werde“. Irgendwie vorgezeichnet scheint ihr dieser Weg dennoch zu sein. Das beweist auch ihre absolute Hingabe an diesen Beruf. Das merkt man ihr an, wenn man mit ihr spricht, wie sie über den Journalismus redet, was sie umtreibt.

Kein Wunder also, dass sie neben den tagesaktuellen Berichten Hintergrundstorys besonders liebt. Wenn sie sich vom Tagesgeschäft einmal „ausklinken“ (Parragh) und in ein Thema vertiefen kann, dann ist sie so richtig in ihrem Element. Was natürlich auch ihrem Medium zugutekommt. Immerhin bieten die „Salzburger Nachrichten“ ihren Lesern und Leserinnen zumeist in den Beilagen am Wochenende bis ins Detail ausrecherchierte Beiträge. Des Weiteren engagiert sie sich auch in der erst vor Kurzem geschaffenen iPad-Ausgabe der „SN“. „Als junger Mensch muss man schauen, dass man dabei ist“, erklärt sie.

Zeitökonomisch zugute kommt ihr dabei die Entwicklung in den technischen Kommunikations- und Wissensvermittlungsinstrumenten. Allein die Online-Recherche ermöglicht es, der grassierenden Geschwindigkeit zu entsprechen. Wiewohl diese Variante das persönliche Recherche-Gespräch nicht ersetzen kann. Aber zur schnellen Informationsbeschaffung für einen Tagesbeitrag ist es Gold wert. Darüber hinaus bevorzugt sie vor allem Twitter. „Das ist eine spannende Kommunikationsform, man kommt immer wieder auf neue Gedanken. Ein weiterer Vorteil ist, dass man sich auf schnellem Wege austauschen kann, auch international.“ Selbst schreibt sie allerdings nur dann, wenn sie „etwas zu sagen hat“ (Parragh).

In der Causa Wrabetz-Pelinka tut der Bewerberin nur eines wirklich leid: dass sie zu keinem Hearing eingeladen worden ist. Ja mehr noch, dass sie auf ihre Bewerbung überhaupt keine Antwort bekommen hat, nicht einmal eine Bestätigung des Einganges ihres Schreibens. Parragh: „Es hätte mich sehr interessiert, wie sie darauf reagieren. Ein Hearing wäre lustig gewesen, hatte mich bereitgehalten.“

Vita

Von Jus zur Innenpolitik

Alexandra Parragh, 33, entstammt einer Patchwork-Familie. Sie hat drei Halbgeschwister und zwei Stiefgeschwister. Ihre Mutter ist Neurologin, der Vater selbstständiger Informatiker. Aufgewachsen in Wien studiert sie nach der Matura Jus an der Universität Wien. 2005 schließt sie das Studium mit dem Magisterium ab. Neben dem Studium ist sie fünf Jahre lang in der bekannten Rechtsanwaltskanzlei Lansky, Ganzger & Partner juristisch tätig. Danach hängt sie noch ein Jahr Fachhochschule Journalismus an, wodurch sie unter anderem auch Zugang zu Redaktionen bekommt. Nach einer Weile im Ressort Wirtschaft im „Kurier“ bewirbt sie sich um ein Praktikum in den „Salzburger Nachrichten“. 2007 bekommt sie von der „SN“ einen Pauschalvertrag, 2008 den Anstellungsvertrag. Seither arbeitet Alexandra Parragh im Ressort Innenpolitik in der Wien-Redaktion. Ihre thematischen Schwerpunkte sind Bildung, Internet, Datenschutz, Medien, Freiheitsrechte.

Elisabeth Horvath ist freie Journalistin in Wien.

elihorvath@aon.at

Erschienen in Ausgabe 02+03/202012 in der Rubrik „Beruf und Medien“ auf Seite 56 bis 57 Autor/en: Elisabeth Horvath. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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