ARCHIV » 2012 » Ausgabe 02-03/2012 »

Praxis

Was wurde aus… Daniel Kapp, Pressesprecher Josef Prölls?

„Ich genieße die frische Luft.“ Nach rund zehn Jahren Dienst in der Umgebung oder im Sold des ÖVP-Spitzenpolitikers Josef Pröll taucht der Weltbürger Daniel Kapp an einer neuen Arbeitsstelle auf. Er ist einer von zwei Direktoren der Österreich-Filiale der Brunswick Corporate Communication GmbH geworden, eines auf Finanzmarkt- und Krisenkommunikation spezialisierten britischen Unternehmens. Weder seine berufliche Internationalisierung noch gar die „Krisenkommunikation“ sind Kapp fremd. Er wurde in Ruanda als Sohn eines deutschen Diplomaten und einer amerikanischen Ethnologin geboren und besitzt die deutsche und amerikanische Staatsbürgerschaft. An Krisenkommunikation fehlte es seit zehn Jahren nicht. Er arbeitete mit Pröll bereits unter Landwirtschaftsminister Wilhelm Molterer zusammen. Als Pröll 2003 Landwirtschaftsminister wurde, blieb Kapp als dessen Pressemann an seiner Seite, desgleichen von 2008 bis März 2011, als Pröll ÖVP-Obmann, Finanzminister und Vizekanzler war.

Die Brunswick-Group hat weltweit 21 Niederlassungen. Das Büro in der Wiener Rotenturmstraße ist für Österreich, Zentral- und Mitteleuropa zuständig. Kapp genießt die „neue Übersichtlichkeit“ seines Berufsalltags. „Der moderne Medienzirkus ist kaum noch bewältigbar“, sagt er im Rückblick. Das ist keine Klage, sondern Tatsachenfeststellung. Die Anfragen von Journalisten seien von 7 bis 23 Uhr und auch am Wochenende gekommen. Sogar das Sommerloch sei verschwunden. „Ich verstehe das ja, aber die Journalisten sind bei dieser Hektik im Radl, ich bin nur ich.“ Das habe ihm besonders in den letzten Monaten mit Pröll viel Kraft gekostet, hinzugekommen seien die Finanzkrise und sein Eindruck über die Innenpolitik: „Es geht nichts weiter. Man hört sich in Politik und Medien nicht einmal mehr beim Denken zu.“ Seine jetzige Arbeit sei spannend und herausfordernd. „Gleichzeitigkeit findet nicht mehr statt.“

Zieht man ins Kalkül, dass Prölls politische Karriere in einem Erschöpfungszustand endete, so müssten Politiker und Journalisten eigentlich nachdenklich werden. Sind sie miteinander noch auf Schiene?

Erschienen in Ausgabe 02+03/202012 in der Rubrik „Praxis“ auf Seite 96 bis 97. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

;